HUMA Ursachen, Zusammenhänge & Lösungswege 01

01 · Wirtschaft & Wohlstand

Ursachen, Zusammenhänge & Lösungen

Deutschland ist weiterhin eine der leistungsfähigsten Volkswirtschaften der Welt. Doch wirtschaftliche Stärke ist kein Zustand, der sich von selbst erhält.

Demografischer Wandel, Fachkräftemangel, technologische Umbrüche, hohe Arbeitskosten, alternde Infrastruktur, langsame Verfahren, Energie- und Ressourcenkosten sowie zunehmender internationaler Wettbewerb verändern die Bedingungen, unter denen Wohlstand entsteht.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht:

Wie verteilen wir den vorhandenen Wohlstand?

Sondern zunächst:

Wie sorgen wir dafür, dass auch morgen genügend Wohlstand entstehen kann – und dass Fortschritt bei Unternehmen, Beschäftigten und Gesellschaft ankommt?

HUMA betrachtet Wirtschaft deshalb als zusammenhängendes System.

Produktivität, Investitionen, Infrastruktur, Arbeit, Bildung, Energie, Wettbewerb, Sozialversicherung und staatliche Rahmenbedingungen beeinflussen sich gegenseitig.

Wer nur an einer Stelle eingreift, verschiebt häufig lediglich das Problem.

Wirtschaft als zusammenhängendes System

Inhaltsverzeichnis:

01 Produktivität ist die Grundlage unseres Wohlstands
02 Arbeit darf nicht immer teurer werden
03 Investitionen müssen schneller produktiv werden
04 Verlässlichkeit statt Investitions-Strohfeuer
05 Der Staat soll private Investitionen ermöglichen – nicht ersetzen
06 Ein leistungsfähiger Staat ist ein Produktivitätsfaktor
07 Menschen sind Zukunftsinfrastruktur
08 Technischer Fortschritt soll menschliche Arbeit ergänzen
09 Wettbewerb hält Wirtschaft produktiv
10 Ressourcen sind ebenfalls wirtschaftliches Kapital
11 Das Vollkostenprinzip macht versteckte Kosten sichtbar

12 Wirtschaftliche Stärke und soziale Sicherheit bedingen sich gegenseitig
13 Der HUMA-Unternehmensdeal

Grundlagen

Langfristig können Einkommen, soziale Sicherheit und öffentliche Leistungen nur steigen, wenn auch die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit wächst.

Dabei bedeutet Produktivität nicht:

Menschen müssen immer schneller und mehr arbeiten.

Produktivität bedeutet:

Mit der vorhandenen Arbeit, dem vorhandenen Kapital und den eingesetzten Ressourcen mehr Nutzen und Wertschöpfung erzeugen.

Dazu gehören:

  • bessere Organisation,
  • moderne Maschinen,
  • Digitalisierung und Automatisierung,
  • künstliche Intelligenz,
  • bessere Infrastruktur,
  • qualifizierte Beschäftigte,
  • effizientere Energie- und Materialnutzung,
  • weniger unnötige Bürokratie,
  • bessere Produktions- und Verwaltungsprozesse.

Gerade in einer alternden Gesellschaft wird Produktivität entscheidend.

Wenn weniger Menschen im Erwerbsleben stehen, können wir unseren Wohlstand nicht allein dadurch sichern, dass jeder Einzelne immer mehr arbeitet.

Wir müssen knappe menschliche Arbeitszeit sinnvoller einsetzen.

Eine Pflegekraft sollte möglichst pflegen.

Ein Lehrer sollte möglichst unterrichten.

Ein Handwerker sollte möglichst seine fachlichen Fähigkeiten einsetzen.

Qualifizierte Arbeitszeit sollte nicht durch vermeidbare Dokumentation, Materialsuche, schlechte Organisation oder unnötige Verwaltungsprozesse verloren gehen.

Produktivität soll unnötige Arbeit reduzieren – nicht Menschen stärker belasten.

Dabei müssen unterschiedliche menschliche Leistungsfähigkeiten berücksichtigt werden. Nicht jeder Mensch kann unter denselben Bedingungen oder im selben Tempo arbeiten. Ein Arbeitsplatz mit geringerer individueller Arbeitsgeschwindigkeit kann gesamtgesellschaftlich trotzdem produktiv sein, wenn dadurch Fähigkeiten genutzt werden, die andernfalls dem Arbeitsmarkt verloren gingen.

Gleichzeitig müssen wir Produktivität breiter betrachten.

Nicht nur Arbeitsproduktivität zählt.

Auch Energie, Rohstoffe, Fläche und Kapital sind knappe Ressourcen.

Das langfristige Ziel lautet deshalb:

Mehr gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Nutzen aus jeder eingesetzten Einheit Arbeit, Kapital, Energie, Material und Fläche erzeugen.

Deutschland finanziert einen großen Teil seiner sozialen Sicherung über Arbeit.

Steigen die Ausgaben der Sozialversicherungen, steigen häufig auch die Beiträge auf Löhne und Gehälter.

Dadurch entsteht ein problematischer Kreislauf:

höhere Sozialausgaben
→ höhere Lohnnebenkosten
→ Arbeit wird teurer
→ Beschäftigung und Investitionen werden belastet
→ verfügbare Einkommen steigen langsamer
→ wirtschaftlicher Spielraum sinkt.

Gleichzeitig verändert technischer Fortschritt die Wirtschaft.

Maschinen, Software, Automatisierung und künstliche Intelligenz können immer größere Teile der Wertschöpfung erzeugen.

Deshalb stellt HUMA die Frage:

Warum finanzieren wir unsere sozialen Systeme weiterhin so stark über menschliche Arbeit, während Wertschöpfung zunehmend auch durch Kapital und Technologie entsteht?

Hier setzt der HUMA-Produktivitätsbeitrag an.

Ein kleiner Teil der wirtschaftlichen Wertschöpfung wird breiter an der Finanzierung der Sozialversicherung beteiligt.

Dabei müssen Investitionen geschützt und arbeitsintensive Unternehmen berücksichtigt werden.

Produktive Unternehmen sollen nicht für ihren Erfolg bestraft werden.

Im Gegenteil:

Produktivitätsfortschritt muss sich weiterhin lohnen.

Der Produktivitätsbeitrag soll deshalb nicht möglichst viel Geld aus Unternehmen herausziehen.

Er soll langfristig ermöglichen, die Finanzierung sozialer Sicherheit breiter aufzustellen und Arbeit schrittweise zu entlasten.

Daraus entsteht ein gesellschaftlicher Deal:

Unternehmen investieren und steigern Produktivität.
Die Gesellschaft beteiligt Produktivitätsfortschritt breiter an ihrer Finanzierung.
Im Gegenzug werden die Kosten menschlicher Arbeit langfristig entlastet.

Mehr Netto muss tatsächlich beim Menschen ankommen

Für Beschäftigte zählt am Ende nicht nur der Bruttolohn und auch nicht nur ein einzelner Steuersatz.

Entscheidend ist:

Was bleibt von einem zusätzlich verdienten Euro tatsächlich übrig?

Deshalb betrachtet HUMA Steuern, Sozialabgaben und den Rückgang von Transferleistungen gemeinsam.

Gerade bei niedrigen Einkommen kann heute ein problematischer Effekt entstehen:

Das Einkommen steigt – gleichzeitig steigen Abgaben und staatliche Leistungen gehen zurück.

Deshalb betrachten wir die effektive Grenzbelastung.

Unser Grundsatz lautet:

Jeder zusätzliche Euro Erwerbseinkommen muss das verfügbare Haushaltseinkommen tatsächlich erhöhen.

Transferleistungen sollen deshalb möglichst gleitend auslaufen, statt harte Abbruchkanten zu erzeugen.

Der Produktivitätsbeitrag stabilisiert dabei zunächst die Sozialversicherung. Ein danach tatsächlich verbleibender Spielraum soll gezielt für mehr Netto vom Brutto bei geringen Einkommen genutzt werden.

Arbeit, zusätzliche Stunden, Weiterbildung und beruflicher Aufstieg müssen sich für den Einzelnen spürbar lohnen.

Deutschland braucht Investitionen.

Aber die Höhe einer Investitionssumme allein sagt wenig darüber aus, ob dadurch tatsächlich mehr Zukunftsfähigkeit entsteht.

Mehr Geld führt nicht automatisch zu mehr Straßen, Wohnungen, Stromnetzen, Schulen oder Produktionsanlagen.

Denn auch andere Ressourcen sind begrenzt:

Ingenieure, Handwerker, Planer, Baukapazitäten, Maschinen, Energie und Rohstoffe.

Deshalb gilt das HUMA-Engpassprinzip:

Zuerst dort investieren, wo ein Engpass viele andere Entwicklungen blockiert.

Ein zusätzliches Kraftwerk hilft beispielsweise wenig, wenn das notwendige Stromnetz fehlt.

Mehr Geld für Wohnungsbau erzeugt kaum zusätzliche Wohnungen, wenn Genehmigungen, Bauland oder Baukapazitäten fehlen.

Investitionspolitik beginnt deshalb mit der Frage:

Was verhindert momentan die nächste produktive Investition?

Nicht jede Ausgabe ist wirtschaftlich gleich

Auch bei Staatsausgaben müssen wir genauer unterscheiden.

Eine dauerhaft steigende laufende Ausgabe ist wirtschaftlich etwas anderes als eine zeitlich begrenzte Investition, die zukünftige Leistungsfähigkeit erhöht.

HUMA unterscheidet deshalb ausdrücklich zwischen laufenden Ausgaben und Zukunftsinvestitionen.

Zu Zukunftsinvestitionen gehören beispielsweise:

Infrastruktur · Bildung · Forschung · Digitalisierung · Energieinfrastruktur · neue Technologien.

Sie kosten zunächst Geld. Ihr Zweck besteht aber darin, zukünftige Produktivität, Wertschöpfung und gesellschaftliche Leistungsfähigkeit zu erhöhen.

Das bedeutet nicht, dass jede Ausgabe, die als „Investition“ bezeichnet wird, automatisch sinnvoll ist.

Auch Zukunftsinvestitionen müssen auf Bedarf, Wirkung, Kosten und Alternativen geprüft werden.

Entscheidend ist nicht, ob Geld ausgegeben wird, sondern ob dadurch dauerhaft neue Leistungsfähigkeit entsteht.

Erhaltung ist ebenfalls Investition

Ein erheblicher Teil unseres Wohlstands steckt bereits in vorhandener Infrastruktur:

Straßen, Brücken, Schienen, Schulen, Stromnetze, Wasserleitungen, Gebäude und Produktionsanlagen.

Wer notwendige Erhaltung verschiebt, spart deshalb nicht unbedingt Geld.

Aus einer kleinen Sanierung kann später eine große Reparatur oder ein vollständiger Ersatz werden.

HUMA unterscheidet deshalb:

Funktionsfähigkeit sichern
→ Substanz erhalten
→ Produktivität erhöhen
→ Zukunft schaffen.

Neue Projekte dürfen nicht automatisch wichtiger sein als die Erhaltung dessen, was bereits vorhanden ist.

Lebenszyklus statt billigster Anschaffung

Auch die billigste Investition ist nicht automatisch die wirtschaftlichste.

Entscheidend sind die langfristigen Gesamtkosten:

**Anschaffung oder Bau

  • Energie
  • Betrieb
  • Wartung
  • Reparatur
  • Folgekosten
    − verbleibender Wert.**

Damit wird das Vollkostenprinzip auch auf Investitionen angewandt.

Nicht der niedrigste Preis heute entscheidet – sondern der langfristige Nutzen.

Investitionen & Staat

Ein über Jahrzehnte entstandener Investitionsstau lässt sich nicht innerhalb weniger Jahre beseitigen.

Zusätzliche Milliarden schaffen nicht über Nacht zusätzliche Ingenieure, Bauunternehmen oder Handwerker.

Werden kurzfristig enorme Geldmengen in bereits ausgelastete Märkte gegeben, können deshalb hauptsächlich Preise steigen.

HUMA setzt stattdessen auf verlässliche langfristige Investitionskorridore.

Wenn Unternehmen wissen, dass Deutschland über viele Jahre kontinuierlich in Netze, Brücken, Schulen, Digitalisierung und andere Infrastruktur investiert, können sie selbst reagieren:

Maschinen kaufen
→ Beschäftigte ausbilden
→ Kapazitäten erweitern
→ Produktivität erhöhen.

Der Umbau wird deshalb über Jahre geplant und regelmäßig angepasst.

Nicht möglichst viel Geld möglichst schnell ausgeben.

Sondern:

verlässlich investieren und gleichzeitig die notwendigen realen Kapazitäten aufbauen.

Der Markt bleibt der Normalfall.

Wenn eine Investition für ein Unternehmen wirtschaftlich sinnvoll ist, sollte sie grundsätzlich auch privat finanziert werden.

Der Staat soll nicht versuchen, die Gewinner von morgen auszuwählen.

Seine erste Aufgabe lautet:

gute Standortbedingungen schaffen.

Dazu gehören:

  • leistungsfähige Infrastruktur,
  • schnelle und verlässliche Genehmigungen,
  • Bildung und Fachkräfte,
  • funktionierender Wettbewerb,
  • bezahlbare und sichere Energie,
  • Rechtssicherheit,
  • verlässliche Regeln.

Erst wenn gesellschaftlicher und privater Nutzen deutlich auseinanderfallen oder besondere Zukunftsrisiken bestehen, kann staatliche Unterstützung sinnvoll werden.

Dabei gilt eine klare Reihenfolge:

gute Rahmenbedingungen
→ allgemeine Regeln
→ Finanzierung und Garantien
→ direkte Zuschüsse als letztes Instrument.

Und:

Der Staat sollte nicht fördern, was ohnehin passiert wäre.

Subventionen dürfen schlechte Standortbedingungen nicht dauerhaft verdecken.

Bürokratie ist nicht nur lästig.

Sie bindet Arbeitszeit.

Jede Stunde, die Bürger, Unternehmen oder Beschäftigte des Staates mit vermeidbaren Formularen, mehrfachen Nachweisen oder unnötigen Abstimmungen verbringen, fehlt an anderer Stelle.

Deshalb ist Bürokratieabbau für HUMA auch Wirtschaftspolitik.

Der Grundsatz lautet:

Aufgabe prüfen
→ Prozess vereinfachen
→ standardisieren
→ digitalisieren
→ automatisieren.

Informationen sollen möglichst nur einmal eingereicht werden.

Komplexe Projekte brauchen einen koordinierten Ansprechpartner.

Prüfungen sollen möglichst parallel statt unnötig nacheinander stattfinden.

Routinefälle können stärker automatisiert werden.

Menschen konzentrieren sich auf komplexe Fälle, Beratung und Entscheidungen.

Bürokratie darf Wettbewerb nicht verhindern

Regeln treffen Unternehmen nicht immer gleich.

Ein großer Konzern besitzt Rechtsabteilungen, Steuerexperten und Compliance-Strukturen.

Ein Unternehmen mit zehn Beschäftigten häufig nicht.

Deshalb kann eine formal gleiche Vorschrift kleine und neue Unternehmen wesentlich stärker belasten.

Bei wichtigen neuen Regelungen muss deshalb zusätzlich gefragt werden:

Wie viel Arbeitszeit verursacht die Regel?

und:

Erschwert sie neuen oder kleineren Unternehmen unnötig den Markteintritt?

Schutzstandards bleiben bestehen.

Aber ihre Umsetzung muss möglichst einfach und verhältnismäßig erfolgen.

Menschen, Technik & Wettbewerb

Investitionen bestehen nicht nur aus Beton, Maschinen und Computern.

Eine moderne Produktionsanlage ist wenig wert, wenn niemand sie bedienen kann.

Künstliche Intelligenz erzeugt wenig Produktivitätsfortschritt, wenn Unternehmen und Beschäftigte sie nicht sinnvoll einsetzen können.

Deshalb gehören:

Bildung, Ausbildung, Weiterbildung und berufliche Fähigkeiten

zur wirtschaftlichen Infrastruktur eines Landes.

Fachkräfteplanung darf deshalb nicht erst beginnen, wenn Unternehmen heute offene Stellen melden.

Wenn Deutschland entscheidet, in welchen Technologien und Wirtschaftsbereichen es in Zukunft stärker werden will, müssen wir gleichzeitig fragen:

Welche Tätigkeiten entstehen daraus?

Welche Fähigkeiten werden dafür in fünf oder zehn Jahren benötigt?

Welche heutigen Tätigkeiten werden kleiner oder fallen weg?

Welche vorhandenen Fähigkeiten lassen sich in neue Beschäftigungsfelder übertragen?

Welche Ausbildung und Weiterbildung müssen wir deshalb heute beginnen?

Erst dadurch werden Technologiestrategie, Bildungspolitik und Arbeitsmarktpolitik zu einer gemeinsamen Zukunftsplanung.

So können wir frühzeitig erkennen, wo Beschäftigung zurückgehen wird, wo neue Tätigkeiten entstehen und welche Fachkräftelücken nach Weiterbildung und beruflichen Übergängen tatsächlich noch durch gezielte Zuwanderung geschlossen werden müssen.

Gerade im Fachkräftemangel müssen vorhandene Fähigkeiten besser genutzt werden.

Bevor wir deshalb feststellen:

„Uns fehlen Menschen“

müssen wir fragen:

Fehlen tatsächlich Menschen – oder verschwenden wir vorhandene Fähigkeiten?

Die Reihenfolge lautet:

Engpass prüfen
→ unnötigen Arbeitskräftebedarf reduzieren
→ vorhandene Fachkräfte richtig einsetzen
→ Fachkräfte halten
→ Fähigkeiten weiterentwickeln
→ berufliche Übergänge erleichtern
→ freiwillige zusätzliche Arbeit ermöglichen
→ verbleibende Engpässe durch qualifizierte Zuwanderung ergänzen.

Zuwanderung bleibt wichtig.

Sie ersetzt aber nicht Produktivität, Ausbildung, Weiterbildung und vernünftige Arbeitsbedingungen.

Automatisierung und künstliche Intelligenz werden häufig hauptsächlich unter der Frage diskutiert:

Welche Arbeitsplätze verschwinden?

Für eine alternde Gesellschaft ist eine andere Frage mindestens genauso wichtig:

Welche Tätigkeiten können Maschinen und Software übernehmen, damit menschliche Arbeitszeit dort eingesetzt werden kann, wo Menschen tatsächlich gebraucht werden?

Ein Arzt bleibt Arzt – verbringt aber möglicherweise weniger Zeit mit Dokumentation.

Ein Lehrer bleibt Lehrer – wird aber von Verwaltungsaufgaben entlastet.

Ein Handwerker bleibt Handwerker – kann Planung, Materiallogistik und Dokumentation effizienter organisieren.

Technik kann darüber hinaus helfen, Arbeitsplätze an unterschiedliche Fähigkeiten und Leistungsprofile anzupassen. Sie kann körperlich belastende, monotone oder besonders zeitkritische Arbeitsschritte übernehmen und dadurch auch Menschen eine produktive Beschäftigung ermöglichen, die mit dem heutigen Arbeitstempo oder bestimmten Anforderungen Schwierigkeiten haben.

Technischer Fortschritt soll deshalb nicht primär Menschen ersetzen.

Er soll Fähigkeiten verstärken und unnötige Arbeit reduzieren.

Produktivität entsteht nicht allein durch staatliche Programme.

Ein wesentlicher Motor wirtschaftlichen Fortschritts ist Wettbewerb.

Neue Unternehmen entwickeln neue Produkte.

Neue Technologien stellen bestehende Geschäftsmodelle infrage.

Produktivere Unternehmen zwingen andere Unternehmen, sich ebenfalls weiterzuentwickeln.

So entsteht ein regenerativer Kreislauf:

offene Märkte
→ neue Unternehmen und Ideen
→ Innovation
→ höhere Produktivität
→ bessere Angebote
→ neuer Wettbewerb.

Unternehmen dürfen dabei ausdrücklich groß und erfolgreich werden.

Größe ist nicht das Problem.

Problematisch wird es, wenn wirtschaftlicher Erfolg dazu genutzt werden kann, zukünftigen Wettbewerb dauerhaft auszuschließen.

Deshalb lautet der HUMA-Grundsatz:

Nicht kleine Unternehmen vor Wettbewerb schützen – sondern ihre Möglichkeit schützen, selbst Wettbewerber werden zu können.

Die ausführlichen Instrumente dazu gehören in den eigenen Bereich Wettbewerb & Marktmacht.

Wohlstand im Zusammenhang

Wohlstand entsteht nicht durch möglichst hohen Materialverbrauch.

In jedem Produkt stecken:

Rohstoffe, Energie, Arbeit, Wissen, Transport und Kapital.

Deshalb kann es wirtschaftlicher sein, vorhandenen Wert länger zu erhalten, statt ihn ständig neu herzustellen.

Das bedeutet nicht, dass jedes alte Produkt um jeden Preis repariert werden muss.

Entscheidend sind die tatsächlichen Lebenszyklus- und Vollkosten.

Das wirtschaftliche Ziel lautet:

möglichst viel Nutzen und Wertschöpfung aus möglichst wenig neuem Ressourcenverbrauch erzeugen.

Damit werden Ressourcenpolitik und Wirtschaftspolitik miteinander verbunden.

Die konkrete Umsetzung gehört in den eigenen Themenbereich Ressourcen & Kreislaufwirtschaft.

Ein funktionierender Markt braucht Preise, die möglichst viel von der wirtschaftlichen Realität abbilden. Genau hier liegt heute ein Problem: Ein Produkt kann günstig erscheinen, obwohl ein Teil seiner tatsächlichen Kosten an anderer Stelle entsteht.

Umwelt- und Klimaschäden, hoher Ressourcenverbrauch, Schadstoffe, Entsorgung oder andere langfristige Folgekosten können von der Allgemeinheit oder zukünftigen Generationen getragen werden. Für das einzelne Produkt bleiben diese Kosten unsichtbar – und verschaffen ihm möglicherweise gerade dadurch einen Preisvorteil.

Die Regenerative Soziale Marktwirtschaft setzt deshalb auf das Vollkostenprinzip.

Nicht nur der Kaufpreis zählt

Entscheidend ist nicht allein, was ein Produkt heute an der Kasse kostet. Betrachtet werden soll möglichst sein gesamter Lebenszyklus:

Rohstoffe → Produktion → Transport → Nutzung → Wartung und Reparatur → Wiederverwendung → Recycling oder Entsorgung

Eine günstige Waschmaschine, die früh ersetzt werden muss, kann über zwölf Jahre teurer sein als ein zunächst teureres, langlebiges und reparierbares Gerät.

Deshalb fragt die RSM nicht nur:

Was kostet das Produkt?

Sondern auch:

Welche Leistung erhalten wir über welchen Zeitraum – und welche gesamten Kosten entstehen dabei?

Externalisierte Kosten sollen wirtschaftlich sichtbar werden

Das Vollkostenprinzip soll nicht bei einem zusätzlichen Label stehen bleiben.

Wo gesellschaftliche Folgekosten wissenschaftlich belastbar ermittelt und einem Produkt oder einer wirtschaftlichen Tätigkeit zugerechnet werden können, sollen sie schrittweise wirtschaftlich wirksam werden.

Damit verliert ein Produkt den Preisvorteil, der allein dadurch entsteht, dass ein Teil seiner tatsächlichen Kosten auf andere abgewälzt wird.

Dabei gilt:

Das Vollkostenprinzip ermittelt die Kosten.
Das Verursacherprinzip klärt, wer sie tragen soll.

Nicht jede Auswirkung lässt sich dabei seriös in Euro ausdrücken. Wo eine belastbare Monetarisierung nicht möglich ist, sollen messbare ökologische oder gesellschaftliche Auswirkungen transparent berücksichtigt werden, ohne künstliche Scheingenauigkeit zu erzeugen.

Der Wettbewerb bleibt – aber seine Richtung verändert sich

Die RSM will nicht staatlich festlegen, welches Produkt gekauft werden muss.

Unternehmen sollen weiterhin miteinander konkurrieren und Verbraucher weiterhin entscheiden können.

Aber der Wettbewerb soll sich stärker darum drehen, wer eine benötigte Leistung mit möglichst geringen gesellschaftlichen Gesamtkosten bereitstellen kann.

Langlebigkeit, Reparierbarkeit, Ressourceneffizienz und geringe Folgeschäden werden dadurch zu wirtschaftlichen Vorteilen.

Ein gutes Produkt muss deshalb nicht zwangsläufig das billigste Produkt im Laden sein. Aber ein schlechtes Produkt soll nicht allein deshalb besonders billig sein können, weil einen Teil seiner tatsächlichen Kosten andere bezahlen.

Schrittweise statt über Nacht

Das Vollkostenprinzip soll schrittweise eingeführt werden.

Der Staat kann zunächst bei seinen eigenen Investitionen und Beschaffungen beginnen. Anschließend können geeignete Produktgruppen folgen, bei denen Daten und Bewertungsmethoden ausreichend belastbar sind.

Dabei werden Preiswirkungen, soziale Auswirkungen, Wettbewerbsfähigkeit und Bürokratie fortlaufend überprüft.

Deutschland kann damit innerhalb seiner rechtlichen Möglichkeiten beginnen und die gewonnenen Erfahrungen später in eine europäische Weiterentwicklung einbringen.

Das Ziel ist kein neuer dauerhafter Einnahmetopf für den Staat. Im Gegenteil:

Wenn Unternehmen ihre Produkte verbessern und externalisierte Kosten sinken, sollen auch die daraus entstehenden Belastungen und Einnahmen zurückgehen.

Erfolg misst sich deshalb nicht daran, wie viel Geld das Vollkostenprinzip einnimmt, sondern daran, wie viele gesellschaftliche Folgekosten gar nicht mehr entstehen.

Was für Gesellschaft und Zukunft tatsächlich günstiger ist, soll möglichst auch wirtschaftlich günstiger werden.

Eine leistungsfähige Wirtschaft ist kein Selbstzweck.

Sie finanziert:

  • Einkommen,
  • soziale Sicherung,
  • Bildung,
  • Gesundheit,
  • Infrastruktur,
  • öffentliche Sicherheit,
  • Forschung,
  • gesellschaftliche Teilhabe.

Umgekehrt braucht eine leistungsfähige Wirtschaft genau diese Grundlagen.

Eine Gesellschaft, die ihre Infrastruktur verfallen lässt, Fähigkeiten nicht entwickelt, Menschen dauerhaft überfordert oder natürliche Produktionsgrundlagen zerstört, schwächt langfristig ihre eigene wirtschaftliche Leistungsfähigkeit.

Deshalb betrachtet HUMA Wohlstand auf drei Ebenen:

ökonomisch:
Produktivität, Unternehmen, Infrastruktur, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit erhalten und weiterentwickeln.

sozial:
Fähigkeiten, Arbeit, Bildung, Gesundheit, Sicherheit und gesellschaftliche Teilhabe stärken.

ökologisch:
Ressourcen und natürliche Lebensgrundlagen so nutzen, dass auch zukünftige Generationen darauf aufbauen können.

Keine dieser Ebenen funktioniert langfristig ohne die anderen.

Wohlstand muss auch im Alltag ankommen

Volkswirtschaftliche Kennzahlen allein zeigen noch nicht, wie Menschen tatsächlich leben können.

Auch ein steigendes Nettoeinkommen hilft wenig, wenn notwendige Ausgaben für Wohnen, Energie, Mobilität oder andere Grundbedürfnisse gleichzeitig stärker steigen.

Deshalb verwendet HUMA ergänzend Referenzwarenkörbe für unterschiedliche Haushaltstypen.

Wir unterscheiden dabei drei Stufen:

Grundlagen
Was benötigt ein Haushalt, um seinen Alltag zuverlässig bestreiten zu können?

Teilhabe
Was benötigt er, um am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können?

Sicherheit
Was benötigt er zusätzlich für Rücklagen, unerwartete Ausgaben und langfristige Stabilität?

Der Warenkorb ist kein automatischer Anspruch auf staatliche Leistungen.

Er ist ein Messinstrument.

Er hilft uns zu prüfen:

Kommt wirtschaftlicher Wohlstand tatsächlich im Alltag der Menschen an?

Damit betrachten wir nicht nur Brutto- oder Nettoeinkommen, sondern den tatsächlichen finanziellen Handlungsspielraum unterschiedlicher Haushalte.

Aus diesen Zusammenhängen ergibt sich kein Programm gegen Unternehmen.

Im Gegenteil.

Deutschland braucht erfolgreiche, innovative und international wettbewerbsfähige Unternehmen.

Unternehmen brauchen:

verlässliche Infrastruktur, qualifizierte Menschen, schnelle Verfahren, bezahlbare Energie, funktionierenden Wettbewerb und planbare Regeln.

Die Gesellschaft braucht:

Arbeitsplätze, Innovation, Investitionen, Produktivität und Wertschöpfung.

Daraus entsteht ein gegenseitiger Deal.

Die öffentliche Hand verpflichtet sich:

Infrastruktur zu modernisieren, Verwaltung produktiver zu machen, Bildung und Qualifizierung zu verbessern, unnötige Bürokratie abzubauen, Wettbewerb zu sichern und langfristig die Belastung menschlicher Arbeit zu reduzieren.

Die Wirtschaft erhält:

bessere Standortbedingungen, langfristige Planungssicherheit und mehr Spielraum für produktive Investitionen.

Im Gegenzug:

wird ein Teil des Produktivitätsfortschritts über den Produktivitätsbeitrag breiter an der Finanzierung unserer sozialen Systeme beteiligt.

Der überwiegende Teil zusätzlicher Wertschöpfung bleibt weiterhin dort, wo investiert, innoviert und wirtschaftliches Risiko getragen wird.

Fortschritt soll sich für Unternehmen, Beschäftigte und Gesellschaft lohnen.

Dabei werden die beiden Entlastungswege klar getrennt finanziert.

Der Produktivitätsbeitrag stabilisiert zunächst die Sozialversicherung. Ein danach tatsächlich verbleibender Spielraum wird gezielt für mehr Netto vom Brutto bei geringen Einkommen eingesetzt.

Die langfristige Senkung der Arbeitgeber-Lohnnebenkosten wird dagegen nicht aus diesem verbleibenden Produktivitätsbeitrag finanziert.

Sie kann nur aus tatsächlich realisierten und dauerhaft nachgewiesenen Strukturverbesserungen entstehen.

Gelingt es, durch Reformen und höhere Produktivität dauerhaft strukturelle Einsparungen zu erzielen, soll ein Teil dieser Strukturdividende genutzt werden, um die Arbeitgeber-Lohnnebenkosten innerhalb von zehn Jahren schrittweise um bis zu vier Prozentpunkte zu senken.

Dabei gilt:

Erst wenn die Einsparungen tatsächlich nachgewiesen sind, erfolgt die entsprechende Entlastung.

Wie die Zusammenhänge ineinandergreifen

Die einzelnen Reformen dürfen nicht isoliert betrachtet werden.

Sie bilden eine Wirkungskette:

bessere Infrastruktur und Verwaltung
→ bessere Investitionsbedingungen
→ mehr produktive Investitionen
→ höhere Produktivität
→ höhere Wertschöpfung

→ höhere Einkommen, tragfähige Unternehmensgewinne und Finanzierungskraft
→ breitere Finanzierung der sozialen Sicherung
→ Entlastung menschlicher Arbeit
→ höhere verfügbare Einkommen und bessere Wettbewerbsfähigkeit
→ neue Investitionen.

Gleichzeitig gilt:

Erhaltung
→ Engpässe beseitigen
→ investieren
→ Produktivität erhöhen
→ Wertschöpfung steigern
→ Finanzierungskraft erhöhen
→ erneut in Menschen, Infrastruktur und Zukunft investieren.

Das ist der regenerative Wirtschaftskreislauf.

Der Kern des HUMA-Ansatzes

Deutschland braucht weder ein bloßes „Weiter so“ noch die Vorstellung, der Staat müsse Wirtschaft zentral steuern.

Der Staat setzt verlässliche Rahmenbedingungen, stellt notwendige Infrastruktur bereit, sichert Wettbewerb und soziale Sicherheit und korrigiert dort, wo Kosten dauerhaft auf andere verlagert werden.

Unternehmen entscheiden weiterhin über Produkte, Technologien, Investitionen und Geschäftsmodelle.

Menschen entscheiden über Arbeit, Konsum und ihre Lebensgestaltung.

Aber das System wird so weiterentwickelt, dass Fortschritt seine eigenen Grundlagen nicht verbraucht.

Deshalb lautet der wirtschaftspolitische Grundgedanke von HUMA:

Bewahren, was funktioniert.
Engpässe beseitigen.
Investitionen ermöglichen.
Produktivität erhöhen.
Fortschritt teilen.
Und heute so wirtschaften, dass auch morgen noch Wohlstand entstehen kann.

Die Leitfrage

Wie schaffen wir eine Wirtschaft, in der Unternehmen erfolgreich investieren und wachsen können, Arbeit wieder bezahlbarer wird, technischer Fortschritt allen zugutekommt und gleichzeitig die Grundlagen unseres zukünftigen Wohlstands erhalten bleiben?