Fakten, Zahlen & HUMA-Werkstatt 04

04 · Soziale Sicherheit

Ebene 4: Fakten, Zahlen & HUMA-Werkstatt

Sicherheit geben. Eigenständigkeit ermöglichen.

Ein Sozialstaat muss Menschen auffangen, wenn sie Unterstützung benötigen.

Aber seine Aufgabe endet nicht bei der Auszahlung einer Leistung.

Wo Eigenständigkeit wieder möglich ist, muss Unterstützung dabei helfen, sie zurückzugewinnen. Wo Menschen dauerhaft auf Hilfe angewiesen sind, muss diese Hilfe zuverlässig und würdevoll sein.

Auf dieser Ebene gehen wir deshalb ins Konkrete:

Wie könnte verbindliche Befähigung funktionieren?

Wie können Sozialleistungen einfacher organisiert werden?

Wie verhindern wir, dass zusätzliches Einkommen durch wegfallende Leistungen weitgehend wieder verloren geht?

Wie schützen wir Kinder in schwierigen Lebenslagen?

Wie sichern wir Menschen im Alter ab, wenn die eigenen Mittel nicht ausreichen?

Wie kann die gesetzliche Rentenversicherung unterschiedliche Erwerbsbiografien besser berücksichtigen und zugleich demografisch tragfähig bleiben?

Und wie bleibt soziale Sicherheit langfristig finanzierbar?

Dabei unterscheiden wir:

🟢 entwickelt – Richtung und Grundstruktur stehen.

🟡 Modell / Prüfstand – konkrete Ansätze liegen vor und werden weiter geprüft.

🔴 offen – hier gibt es bewusst noch keine fertige HUMA-Lösung.

Das finden Sie in der HUMA-Werkstatt

Inhaltsverzeichnis:

A · Befähigung & Eigenständigkeit
Befähigungsweg · Rechte und Pflichten · Transfers · Erwerbsanreize

B · Schutz & Unterstützung
Kinder und Familien · Lebensleistung · Rente · Basissicherung im Alter

C · Ein Sozialstaat, der funktioniert
Sozialverwaltung · persönliche Begleitung · Finanzierung · Wirkung

Außerdem: Offene Werkstattfragen · HUMA-Sozialcheck · Unser Ziel

A · Befähigung & Eigenständigkeit

🟢 Der HUMA-Befähigungsweg

Menschen, die länger auf Unterstützung angewiesen sind, brauchen häufig mehr als eine Geldleistung.

Deshalb soll am Anfang nicht automatisch eine standardisierte Maßnahme stehen, sondern eine ehrliche Bestandsaufnahme:

Was kann dieser Mensch?

Welche Hindernisse bestehen?

Was verhindert momentan größere Eigenständigkeit?

Welche Unterstützung kann daran tatsächlich etwas verändern?

Daraus entsteht ein individueller Befähigungsweg.

Er kann beispielsweise Qualifizierung, Berufsorientierung, Kinderbetreuung, Sprachförderung, Schuldnerberatung, gesundheitliche Stabilisierung, lebenspraktische Unterstützung oder eine engere sozialpädagogische Begleitung umfassen.

Je komplexer die Situation, desto intensiver soll die Begleitung sein.

Sicherheit schaffen

↓

Hindernisse erkennen

↓

Fähigkeiten stärken

↓

Eigenständigkeit ermöglichen

🟢 Rechte und Pflichten gehören zusammen

Befähigung ist keine unverbindliche Zusatzleistung.

Der Staat muss tatsächliche und realistische Unterstützung anbieten.

Wer diese Unterstützung nutzen kann, muss im Gegenzug zumutbare Möglichkeiten ernsthaft wahrnehmen.

Das bedeutet:

Keine Pflicht ohne reale Möglichkeit – aber auch keine dauerhafte Unterstützung ohne Mitwirkung, wenn Eigenständigkeit erreichbar ist.

🟡 Der HUMA-Transfercheck

Deutschland hat zahlreiche Sozialleistungen mit unterschiedlichen Zuständigkeiten, Einkommensgrenzen und Anrechnungsregeln.

Deshalb wollen wir jede Leistung systematisch prüfen:

Welchen Zweck erfüllt sie?

Wer benötigt sie?

Überschneidet sie sich mit anderen Leistungen?

Kann sie mit anderen Leistungen zusammengeführt werden?

Kann sie automatisch berechnet werden?

Welche Wechselwirkungen entstehen mit Steuern und Sozialabgaben?

Das Ziel lautet nicht:

möglichst wenige Sozialleistungen.

Sondern:

So wenige parallele Systeme wie möglich – und so viel notwendige Unterstützung wie nötig.

🟡 Jeder Fortschritt muss sich lohnen

Entscheidend ist nicht allein, wie hoch ein Bruttoeinkommen steigt.

Entscheidend ist, was tatsächlich beim Haushalt ankommt.

zusätzliches Einkommen

minus Steuern

minus Sozialabgaben

minus wegfallende Transfers

= tatsächliches zusätzliches verfügbares Einkommen

Wenn von 100 Euro zusätzlichem Einkommen nur ein kleiner Teil beim Haushalt ankommt, entsteht ein problematischer Übergang.

Deshalb wollen wir für unterschiedliche Haushaltstypen sichtbar machen:

Was bleibt tatsächlich von 100 Euro zusätzlichem Einkommen?

Unser Ziel ist ein nachvollziehbarer Verlauf:

Mehr Arbeit → mehr verfügbares Einkommen.

Arbeit, Qualifikation und jeder weitere Schritt in Richtung Eigenständigkeit müssen sich spürbar lohnen.

B Schutz & Unterstützung

🟢 Kinder tragen nicht die Verantwortung für die Lebenslage ihrer Eltern

Bei Familien reicht es nicht, ausschließlich das Haushaltseinkommen zu betrachten.

Kinder können Arbeitslosigkeit, Krankheit, Schulden, Trennung oder Überforderung ihrer Eltern nicht beeinflussen.

Deshalb müssen wir zusätzlich fragen:

Kommt ausreichende Ernährung beim Kind an?

Funktionieren Kita und Schule?

Ist gesundheitliche Versorgung gewährleistet?

Ist gesellschaftliche Teilhabe möglich?

Gibt es stabile Alltagsstrukturen?

Brauchen Eltern zusätzliche Unterstützung?

Unser Grundsatz lautet:

Das Kind soll nicht später die Probleme lösen müssen, die seine Lebensbedingungen heute erzeugen.

🟢 Prävention vor später Reparatur

Frühe Unterstützung kostet zunächst Geld und Personal.

Sie kann gesellschaftlich trotzdem die günstigere Lösung sein, wenn dadurch spätere Probleme verhindert werden.

Deshalb darf Sozialpolitik nicht nur fragen:

Was kostet eine Maßnahme heute?

Sie muss auch fragen:

Welche späteren Kosten verhindert sie?

Wenn rechtzeitige Unterstützung Schulabbrüche, langfristige Erwerbslosigkeit, Überschuldung oder andere soziale Folgekosten verhindert, ist sie nicht nur soziale Hilfe.

Sie ist gesellschaftliche Prävention.

🟢 Rentenversicherung und Basissicherung sind nicht dasselbe

Die gesetzliche Rentenversicherung bleibt das Fundament der Alterssicherung.

Sie soll Erwerbs- und Lebensleistung abbilden.

HUMA betrachtet dabei nicht nur Beitragsjahre, sondern die gesamte Erwerbsbiografie und unterschiedliche Belastungen im Arbeitsleben.

Dazu gehören unter anderem:

Lebensarbeitszeit

Erziehungs- und Pflegezeiten

gesundheitliche Belastungen

Unterbrechungen der Erwerbsbiografie

unterschiedliche Möglichkeiten, bis ins hohe Alter zu arbeiten

Dafür entwickeln wir eine Lebensleistungsmatrix und weiterführende Bausteine einer HUMA-Rentenreform.

🟢 Die demografische Herausforderung

Die gesetzliche Rentenversicherung steht vor einer erheblichen demografischen Veränderung.

Bis 2039 werden nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes rund 13,4 Millionen heutige Erwerbspersonen das gesetzliche Rentenalter von 67 Jahren überschritten haben.

Das entspricht rund 31 Prozent der Erwerbspersonen des Ausgangsjahres.

Damit verändert sich das Verhältnis zwischen Menschen im Erwerbsleben und Menschen im Ruhestand deutlich.

Die Rentenfrage lässt sich deshalb nicht dauerhaft auf drei Möglichkeiten reduzieren:

Beiträge erhöhen.

Renten reduzieren.

Rentenalter erhöhen.

HUMA untersucht stattdessen mehrere Stellschrauben gemeinsam:

Beschäftigung

Qualifikation

Arbeitsfähigkeit

Produktivität

Lebensarbeitszeit

flexible Rentenübergänge

Finanzierungsbasis

und demografische Entwicklung.

Eine nachhaltige Rentenreform braucht mehr als eine einzige Stellschraube.

🟢 Wo die gesetzliche Rente heute steht

Der Beitragssatz der gesetzlichen Rentenversicherung liegt derzeit bei 18,6 Prozent.

Nach dem Rentenversicherungsbericht 2025 bleibt er in der Modellrechnung zunächst bis 2027 auf diesem Niveau.

Das Sicherungsniveau vor Steuern liegt bei 48 Prozent und wird nach geltendem Recht zunächst bis 2031 auf diesem Niveau gehalten.

Danach nimmt der langfristige Finanzierungsdruck weiter zu.

Diese Entwicklung ist für HUMA kein Argument dafür, erworbene Ansprüche grundsätzlich infrage zu stellen.

Sie zeigt vielmehr:

Die Finanzierungsbasis, Erwerbsbeteiligung, Produktivität und Gestaltung des Rentenübergangs müssen gemeinsam betrachtet werden.

🟡 Die gesetzliche Rentenversicherung bleibt das Fundament

HUMA plant keinen vollständigen Systemwechsel.

Das Umlageverfahren bleibt eine zentrale Grundlage.

Auch das bestehende Prinzip erworbener Rentenansprüche soll grundsätzlich erhalten bleiben.

Die Reformfrage lautet deshalb nicht:

Wie ersetzen wir die gesetzliche Rentenversicherung?

Sondern:

Wie entwickeln wir sie so weiter, dass unterschiedliche Erwerbsbiografien besser berücksichtigt werden und das System langfristig tragfähig bleibt?

🟡 Das HUMA-Lebensarbeitskonto

Ein einheitliches Rentenalter trifft auf sehr unterschiedliche Lebensläufe.

Ein Mensch kann mit 17 Jahren eine Ausbildung beginnen und anschließend jahrzehntelang körperlich arbeiten.

Ein anderer beginnt nach Abitur und Studium deutlich später mit seiner Erwerbstätigkeit.

Hinzu kommen:

Kindererziehung

Pflege von Angehörigen

Teilzeit

Krankheit

Arbeitslosigkeit

Berufswechsel

und unterschiedlich belastende Tätigkeiten.

HUMA prüft deshalb ein Lebensarbeitskonto.

Es soll nicht die bisherige Rentenberechnung ersetzen.

Es soll zusätzlich sichtbar machen, wie eine Erwerbsbiografie tatsächlich verlaufen ist.

Berücksichtigt werden könnten beispielsweise:

Beitragszeiten

anerkannte Erziehungszeiten

anerkannte Pflegezeiten

Dauer der Erwerbsbiografie

Phasen eingeschränkter Erwerbsfähigkeit

und gegebenenfalls besondere berufliche Belastungen.

🔴 Noch offen ist, welche Zeiten und Belastungen genau berücksichtigt und wie sie gewichtet werden.

🟡 Das persönliche Rentenfenster

Auf Grundlage gemeinsamer Regeln könnte aus Alter, Lebensarbeitszeit und weiteren festgelegten Kriterien ein persönliches Rentenfenster entstehen.

Innerhalb dieses Rahmens wären unterschiedliche Übergänge denkbar:

früherer Renteneintritt

regulärer Renteneintritt

Teilrente

reduzierte Arbeitszeit

freiwillige Weiterarbeit.

Wer länger arbeiten kann und möchte, soll davon profitieren.

Wer bereits eine sehr lange oder besonders belastende Erwerbsbiografie hinter sich hat, braucht andere Möglichkeiten.

Das Ziel ist keine beliebige individuelle Festlegung des Rentenalters.

Es geht um:

Gemeinsame Regeln mit mehr Spielraum für unterschiedliche Erwerbsbiografien.

🔴 Größe des Rentenfensters sowie mögliche Zu- und Abschläge müssen noch berechnet werden.

🟡 Belastung objektiv erfassen

Ein besonderes Problem ist die Frage belastender Erwerbsbiografien.

Eine einfache politische Liste „schwerer Berufe“ wäre zu ungenau.

Auch innerhalb eines Berufs können Belastungen sehr unterschiedlich sein.

HUMA prüft deshalb objektivierbare Kriterien wie:

körperliche Dauerbelastung

Nacht- und Schichtarbeit

gesundheitliche Gefährdung

langfristige Erkrankungsrisiken

Arbeitsunfälle

psychische Dauerbelastung

und Dauer der tatsächlichen Belastung.

Nicht allein der Berufsname soll entscheiden – sondern die tatsächliche Belastung.

🔴 Ein rechtssicheres, überprüfbares und manipulationsresistentes Bewertungsverfahren muss noch entwickelt werden.

🟡 Prävention vor Frühverrentung

Eine Rentenreform beginnt nicht erst am letzten Arbeitstag.

Wenn ein Mensch seine bisherige Tätigkeit aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben kann, muss früher geprüft werden:

Kann der Arbeitsplatz angepasst werden?

Kann technische Unterstützung Belastungen reduzieren?

Kann die Arbeitszeit verändert werden?

Sind andere Aufgaben möglich?

Kann Weiterbildung einen Tätigkeitswechsel ermöglichen?

Kann Rehabilitation helfen?

Erst wenn Erwerbsarbeit tatsächlich nicht mehr oder nur noch eingeschränkt möglich ist, muss die entsprechende soziale Absicherung greifen.

Arbeitsfähigkeit erhalten, bevor vermeidbare Erwerbsminderung oder Frühverrentung entsteht.

🟡 Flexible Rentenübergänge

Der Übergang zwischen Erwerbsleben und Ruhestand muss nicht immer von 100 auf 0 erfolgen.

HUMA prüft deshalb unterschiedliche Kombinationen aus:

Teilrente

reduzierter Arbeitszeit

angepasster Tätigkeit

schrittweisem Ausstieg

und freiwilliger Weiterarbeit.

Dabei gilt:

Länger arbeiten können ist etwas anderes als länger arbeiten müssen.

Wer freiwillig länger arbeitet, soll daraus einen nachvollziehbaren zusätzlichen Vorteil erhalten.

🟡 Erwerbsminderung weiterentwickeln

Nicht jeder Mensch kann bis zum regulären Rentenalter arbeiten.

Krankheit, Unfall oder dauerhafte gesundheitliche Einschränkungen können Erwerbsfähigkeit reduzieren oder vollständig beenden.

HUMA betrachtet deshalb eine Reihenfolge:

Prävention

↓

Rehabilitation

↓

Arbeitsplatz anpassen

↓

andere Tätigkeit prüfen

↓

Qualifizierung ermöglichen

↓

verbleibende Erwerbsfähigkeit nutzen

↓

verlässlich absichern, wenn Erwerbsarbeit nicht mehr ausreichend möglich ist.

Das Ziel lautet:

So viel Arbeitsfähigkeit ermöglichen wie möglich – so viel Sicherheit geben wie notwendig.

🟡 Erwerbstätigenversicherung prüfen

HUMA prüft außerdem, ob die gesetzliche Alterssicherung langfristig auf eine breitere Versichertengemeinschaft gestellt werden sollte.

Die Frage lautet:

Soll die gesetzliche Rentenversicherung schrittweise stärker zu einer Erwerbstätigenversicherung weiterentwickelt werden?

Dabei müssen bestehende Versorgungssysteme und bereits erworbene Ansprüche geschützt werden.

Eine solche Veränderung wäre deshalb nur mit langfristigen Übergangsregeln möglich.

🔴 Ausgestaltung, Übergangsfristen und tatsächliche langfristige Finanzwirkung sind noch offen.

🟡 Hinterbliebenenabsicherung weiterentwickeln

Der Tod eines Partners kann weiterhin erhebliche wirtschaftliche Folgen haben – insbesondere bei Kindern, Betreuung und Pflege oder nach langen gemeinsamen Familien- und Erwerbsbiografien.

HUMA hält deshalb eine Hinterbliebenenabsicherung grundsätzlich weiterhin für notwendig.

Gleichzeitig muss geprüft werden, wie sie angesichts veränderter Erwerbs- und Familienbiografien weiterentwickelt werden kann.

🔴 Hier besteht noch kein abschließendes HUMA-Modell.

🟡 Die HUMA-Basissicherung im Alter

Davon getrennt betrachten wir die Basissicherung im Alter.

Sie ist keine allgemeine Grundsicherung für Erwerbslose und keine pauschale Mindestrente für alle.

Sie greift dort, wo die eigenen Mittel im Alter nicht für eine angemessene Absicherung ausreichen.

Berücksichtigt werden vorhandene Einkünfte und Mittel, beispielsweise:

gesetzliche Rente

betriebliche Altersvorsorge

weitere Einkommen

vorhandene finanzielle Mittel

Reichen diese aus, entsteht kein zusätzlicher Anspruch.

Reichen sie nicht aus, wird die tatsächliche Lücke geschlossen.

Unterstützung dort, wo sie benötigt wird – nicht pauschal für alle.

🟡 Wie hoch muss die Basissicherung sein?

Diese Frage befindet sich noch auf dem Prüfstand.

Frühere HUMA-Modellrechnungen haben bereits verschiedene Größenordnungen untersucht.

Inzwischen haben wir mit unseren Warenkörben für

Grundlagen · Teilhabe · Sicherheit

aber einen wesentlich besseren Maßstab entwickelt.

Deshalb prüfen wir die Basissicherung im Alter erneut gegen diese Warenkörbe.

Die entscheidende Frage lautet:

Welches Einkommen braucht ein älterer Mensch tatsächlich, damit nicht nur das Existenzminimum, sondern ein angemessenes und gesellschaftlich eingebundenes Leben möglich bleibt?

Erst danach legen wir Leistungshöhe und Finanzierungsbedarf fest.

C Ein Sozialstaat, der funktioniert

🟢 Routine digitalisieren – komplexe Fälle persönlich begleiten

Menschen mit komplexen Problemen sollen nicht selbst verschiedene Behörden und Hilfesysteme koordinieren müssen.

Wer gleichzeitig mit Erwerbslosigkeit, Schulden, gesundheitlichen Problemen, Kinderbetreuung oder familiärer Überforderung kämpft, braucht keinen zusätzlichen Behördenparcours.

Deshalb drehen wir die Verantwortung um:

Nicht der Mensch organisiert die Behörden um sich herum. Die beteiligten Stellen organisieren ihre Unterstützung um den Menschen herum.

Bei komplexen Fällen soll es einen verantwortlichen Ansprechpartner geben.

Dieser koordiniert gemeinsam mit dem Betroffenen den Befähigungsweg und die notwendigen Unterstützungsangebote.

Standardvorgänge dagegen sollen möglichst einfach, digital und automatisiert funktionieren.

Daten, die dem Staat bereits vorliegen, sollen nicht immer wieder neu eingereicht werden müssen.

Digitalisieren, was Routine ist.

Persönlich begleiten, was komplex ist.

🟢 Begleitung als öffentliche Kernaufgabe

Intensive soziale Begleitung ist keine beliebige Zusatzleistung.

Sie kann darüber entscheiden, ob Menschen dauerhaft abhängig bleiben oder wieder größere Eigenständigkeit erreichen.

Deshalb soll die Verantwortung für Befähigung, Fallsteuerung und langfristige Begleitung stärker als öffentliche Kernaufgabe organisiert werden.

Externe Träger und spezialisierte Einrichtungen können weiterhin wichtige Leistungen anbieten.

Die Verantwortung für den gesamten Befähigungsweg darf dabei aber nicht zwischen wechselnden Maßnahmen und Zuständigkeiten verloren gehen.

Eine Person. Ein nachvollziehbarer Weg. Eine klare Verantwortung.

🟢 Soziale Sicherheit braucht eine wirtschaftliche Grundlage

Ein leistungsfähiger Sozialstaat benötigt eine dauerhaft tragfähige Finanzierung.

Dabei wollen wir nicht einfach immer höhere Belastungen auf menschliche Arbeit legen.

HUMA verbindet deshalb mehrere Ansätze:

Kostenstrukturen reformieren

Prävention stärken

unnötige Verwaltung reduzieren

wirtschaftliche Leistungsfähigkeit erhöhen

Produktivitätsfortschritt an der Finanzierung beteiligen

Der von HUMA entwickelte Produktivitätsbeitrag soll dazu beitragen, die Sozialversicherungssysteme langfristig zu stabilisieren.

Das betrifft auch die gesetzliche Rentenversicherung. Der Produktivitätsbeitrag soll deren demografische Herausforderung jedoch nicht allein finanzieren. Beschäftigung, Arbeitsfähigkeit, Produktivität, Beitragsbasis, Bundesfinanzierung und Rentenübergänge müssen gemeinsam betrachtet werden.

Dabei gilt eine klare Reihenfolge:

Zuerst Stabilität schaffen. Erst danach zusätzliche finanzielle Spielräume verteilen.

🟡 Produktivitätsbeitrag als ein Finanzierungsbaustein

Der derzeitige HUMA-Arbeitsstand untersucht einen Produktivitätsbeitrag von ungefähr 3,2 Prozent.

Dabei sind Schutzmechanismen vorgesehen, unter anderem:

Grundfreibetrag

Arbeitsintensitätsschutz

Investitionsschutz

und Prüfung unterschiedlicher Branchenwirkungen.

Die genaue Einnahmenwirkung ist noch nicht abschließend bestimmt.

Der Produktivitätsbeitrag ist deshalb kein Blankoscheck für zusätzliche Leistungen.

Seine erste Aufgabe bleibt:

Die Sozialversicherung in einer sich verändernden Arbeits- und Produktionswelt breiter zu stabilisieren.

🟡 Die endgültige Einnahmen-, Branchen- und Verteilungsrechnung bleibt Teil der HUMA-Werkstatt.

🟡 Nicht die Höhe der Sozialausgaben entscheidet über den Erfolg

Ein Sozialstaat ist nicht automatisch gut, weil er besonders viel Geld ausgibt.

Entscheidend ist seine Wirkung.

Deshalb wollen wir beispielsweise messen:

Wie viele Menschen erreichen wieder Eigenständigkeit?

Wie dauerhaft gelingt dieser Schritt?

Wie viele Qualifizierungen führen tatsächlich zu besseren Möglichkeiten?

Was bleibt bei Arbeitsaufnahme oder zusätzlicher Arbeit wirklich im Haushalt?

Wie entwickeln sich Kinder in unterstützten Familien?

Wie viele parallele Anträge und Verwaltungsprozesse konnten entfallen?

Wie viel Zeit bleibt für persönliche Begleitung?

Welche späteren Kosten konnten durch Prävention vermieden werden?

Wie lange bleiben Menschen gesund arbeitsfähig?

Wie funktionieren flexible Rentenübergänge?

Wie entwickeln sich Beitragssatz und Rentenniveau?

Wie viele Menschen benötigen zusätzlich Basissicherung im Alter?

Wie entwickelt sich deren tatsächliche materielle und gesellschaftliche Absicherung?

Damit wird die Rentenreform auch wirklich messbar.

Auch für Sozialpolitik gilt deshalb:

analysieren

↓

handeln

↓

Wirkung messen

↓

verbessern

Was machen andere Länder?

🟢 Schweden – Alterssicherung an Veränderungen anpassen

Schweden verbindet eine umlagefinanzierte einkommensbezogene Alterssicherung mit einem kapitalgedeckten Bestandteil und automatischen Anpassungsmechanismen.

Was funktioniert?

Das System reagiert stärker auf Veränderungen von Lebenserwartung und finanziellen Rahmenbedingungen, ohne erworbene Ansprüche vollständig von der Erwerbsbiografie zu lösen.

Wo liegt die Grenze?

Automatische Anpassungen können zwar die finanzielle Stabilität erhöhen, übertragen Risiken aber teilweise auf die Höhe und den Zeitpunkt der individuellen Rente.

Was übernimmt HUMA daraus?

Nicht das schwedische Rentensystem als Ganzes.

Interessant ist für HUMA die Verbindung aus Lebensleistung, langfristiger Finanzierungsstabilität und transparenten Anpassungsmechanismen.

Das deutsche Entgeltpunktesystem soll grundsätzlich erhalten und weiterentwickelt werden.

🟢 Finnland, Schweden und Norwegen – flexiblere Rentenübergänge

Mehrere nordische Länder ermöglichen flexiblere Übergänge in die Altersrente.

Der Zeitpunkt des Renteneintritts beeinflusst dabei die spätere Rentenhöhe.

Was funktioniert?

Menschen erhalten mehr Entscheidungsspielraum beim Übergang zwischen Erwerbsleben und Ruhestand.

Wo liegt die Grenze?

Flexibilität darf nicht dazu führen, dass Menschen mit niedrigen Einkommen oder gesundheitlichen Belastungen faktisch zu längerer Arbeit gezwungen werden.

Was übernimmt HUMA daraus?

Die Grundidee eines Rentenfensters statt eines einzigen Rententages.

HUMA ergänzt sie allerdings um Lebensarbeitszeit und die Prüfung besonderer Belastungen.

🟢 Dänemark – Rentenalter und Lebenserwartung

Dänemark passt das gesetzliche Rentenalter stark an die steigende Lebenserwartung an.

Für 2040 wurde ein gesetzliches Rentenalter von 70 Jahren beschlossen.

Was funktioniert?

Die demografische Entwicklung wird unmittelbar in die langfristige Finanzierung einbezogen.

Wo liegt die Grenze?

Steigende Lebenserwartung sagt wenig darüber aus, wie lange ein einzelner Mensch gesund arbeiten kann oder wie belastend seine Erwerbsbiografie war.

Was übernimmt HUMA daraus?

Die demografische Realität darf nicht ignoriert werden.

Aber HUMA zieht daraus nicht automatisch die Schlussfolgerung:

länger leben = für alle entsprechend länger arbeiten.

Wir ergänzen die Lebenserwartung um Lebensarbeitszeit, Arbeitsfähigkeit, Belastung und Produktivität.

🟢 Spanien – belastende Tätigkeiten objektiver betrachten

Spanien nutzt bei bestimmten Regelungen für belastende oder gefährliche Tätigkeiten unter anderem nachvollziehbare Belastungsindikatoren.

Was funktioniert?

Belastung kann stärker anhand tatsächlicher gesundheitlicher Auswirkungen beurteilt werden.

Wo liegt die Grenze?

Auch objektive Kriterien müssen regelmäßig überprüft werden und können niemals jede individuelle Erwerbsbiografie vollständig erfassen.

Was übernimmt HUMA daraus?

Für unser Lebensarbeitskonto ist dieser Ansatz besonders interessant:

Nicht einfach politische Berufslisten erstellen, sondern tatsächliche Belastung möglichst messbar machen.

Was übernimmt HUMA aus dem Ländervergleich?

Kein Land liefert die fertige HUMA-Lösung.

Aber einzelne Erfahrungen sind wertvoll:

Schweden
→ langfristige Anpassungsmechanismen

Nordische Länder
→ flexiblere Rentenübergänge

Dänemark
→ demografische Entwicklung nicht verdrängen

Spanien
→ Belastungen stärker objektivieren

Daraus entsteht unsere Richtung:

Das bestehende deutsche Rentensystem weiterentwickeln – nicht ein anderes Land kopieren.

Was noch offen ist

Was bei der Rentenreform noch offen ist

🔴 Die HUMA-Rentenwerkstatt

Die Grundrichtung der Reform steht.

Die konkrete Ausgestaltung muss jedoch noch berechnet und getestet werden.

Offen sind insbesondere:

Welche Zeiten fließen in das Lebensarbeitskonto ein?

Wie werden Erziehungs- und Pflegezeiten berücksichtigt?

Wie lassen sich besondere berufliche Belastungen objektiv messen?

Wie groß soll das persönliche Rentenfenster sein?

Welche Zu- und Abschläge gelten bei unterschiedlichen Renteneintritten?

Wie wird freiwilliges Weiterarbeiten honoriert?

Wie wird Erwerbsminderung eingebunden?

Wie könnte eine Erwerbstätigenversicherung eingeführt werden?

Wie entwickelt sich die Hinterbliebenenabsicherung?

Wie verändern sich Beitragssatz, Rentenniveau und Bundesfinanzierung?

Welchen tatsächlichen Beitrag kann der Produktivitätsbeitrag leisten?

Wie hoch muss die Basissicherung im Alter nach dem aktuellen HUMA-Warenkorb sein?

Wie viele Menschen wären davon betroffen?

Und vor allem:

Ist das gesamte Modell auch unter unterschiedlichen demografischen und wirtschaftlichen Entwicklungen langfristig tragfähig?

Dafür braucht es als nächsten Entwicklungsschritt einen vollständigen HUMA-Renten-Stresstest.

🔴 Grundsicherung bei Erwerbslosigkeit

Für die Grundsicherung bei Erwerbslosigkeit haben wir bewusst noch kein fertiges HUMA-Modell festgelegt.

Wir wollen nicht einfach das bestehende Bürgergeld umbenennen oder einzelne Beträge verändern.

Zuerst müssen die Wechselwirkungen des gesamten Systems stimmen.

Fest stehen bisher unsere Grundsätze:

Die materiellen Grundlagen müssen gesichert sein.

Kinder müssen besonders geschützt werden.

Befähigung und persönliche Unterstützung müssen tatsächlich angeboten werden.

Zumutbare Mitwirkung kann erwartet werden.

Arbeit und jeder weitere Schritt in Richtung Eigenständigkeit müssen sich finanziell lohnen.

Noch zu prüfen sind insbesondere:

Leistungshöhe

Wohnkosten

Freibeträge und Transferentzug

Pflichten und Sanktionen

Missbrauchsschutz

Übergänge in Erwerbsarbeit

Verhältnis von Grundlagen und gesellschaftlicher Teilhabe

Diese Punkte bleiben Teil der HUMA-Werkstatt.

Eine offene Frage ist besser als ein fertiges Modell, dessen Wechselwirkungen noch nicht ausreichend geprüft wurden.

Der HUMA-Sozialcheck

Bei jeder Reform sozialer Sicherheit stellen wir dieselben Fragen:

Schützt sie zuverlässig vor existenzieller Not?

Ermöglicht sie gesellschaftliche Teilhabe?

Bearbeitet sie die Ursache oder nur das Symptom?

Hilft sie Menschen zurück in Eigenständigkeit, wo dies möglich ist?

Lohnt sich jeder Schritt nach vorne?

Schützt sie Kinder vor langfristigen Nachteilen?

Ist das System einfach und verständlich?

Bleibt persönliche Hilfe dort verfügbar, wo sie benötigt wird?

Erkennt die Alterssicherung unterschiedliche Erwerbsbiografien angemessen an?

Können Menschen flexibel aus dem Erwerbsleben in die Rente wechseln?

Wird Arbeitsfähigkeit erhalten, bevor vermeidbare Frühverrentung entsteht?

Ist Erwerbsminderung verlässlich abgesichert?

Reicht die Basissicherung im Alter für ein angemessenes Leben, wenn eigene Mittel nicht ausreichen?

Ist die Finanzierung langfristig tragfähig?

Und können wir die tatsächliche Wirkung messen?

Unser Ziel

Soziale Sicherheit soll Menschen nicht verwalten.

Sie soll auffangen, wenn Menschen fallen.

Sie soll helfen aufzustehen, wo das möglich ist.

Und sie soll verlässlich tragen, wo Menschen dauerhaft Unterstützung benötigen.

Im Alter bedeutet das: Lebensleistung schützen, unterschiedliche Erwerbsbiografien berücksichtigen, flexible Übergänge ermöglichen und dort zusätzlich absichern, wo die eigenen Alterseinkünfte nicht ausreichen.

Sicherheit, Befähigung und Eigenverantwortung gehören zusammen.