01 · Wirtschaft & Wohlstand
Ebene 4: Fakten, Zahlen & HUMA-Werkstatt
Sie müssen uns nichts glauben. Sie können nachsehen.
Auf Ebene 3 haben wir beschrieben, welche wirtschaftlichen Probleme wir sehen, wie sie zusammenhängen und welche Lösungen wir daraus ableiten.
Hier öffnen wir die Werkstatt.
Welche Zahlen stehen hinter unseren Aussagen? Wie funktionieren unsere Instrumente? Was kostet eine Reform? Wie soll sie finanziert werden? Was können wir von anderen Ländern lernen? Und was passiert, wenn unsere Annahmen nicht eintreten?
Dabei unterscheiden wir:
🟢 Fakt – externe Daten oder belastbare Größenordnung
🟡 HUMA-Modell – eigene Berechnung oder Arbeitswert
🔴 Offen – noch nicht abschließend geklärt
Das finden Sie in der HUMA-Werkstatt
Inhaltsverzeichnis:
A · Wohlstand & Investitionen
Produktivität · Standort · Investitionen · Staat
B · Vollkostenprinzip
Wie werden die tatsächlichen Kosten ermittelt? · Wie wird das Prinzip wirtschaftlich wirksam
C · Finanzierung neu denken
Produktivitätsbeitrag · Mehr Netto vom Brutto
D · Unternehmen, Arbeit & Struktur
Unternehmensdeal · Strukturdividende · Arbeit & Fachkräfte
E · Prüfen statt versprechen
Finanzierung · Gesamtbilanz · internationale Erfahrungen
Außerdem: Unsere Zahlen auf einen Blick · HUMA-Stresstest · offene Fragen
A Wohlstand & Investitionen
01 · Produktivität & Standort – was zeigen die Zahlen?
Deutschland ist nicht einfach zu teuer
Deutschland gehört weiterhin zu den leistungsfähigen Volkswirtschaften. Unser Problem ist deshalb nicht, dass deutsche Beschäftigte grundsätzlich unproduktiv wären.
Das Problem liegt in der Entwicklung:
Die Produktivität wächst zu langsam, um steigende Kosten dauerhaft auszugleichen.
Die reale Wirtschaftsleistung je geleisteter Erwerbstätigenstunde entwickelte sich zuletzt:
Jahr | Arbeitsproduktivität |
2023 | −1,2 % |
2024 | −0,3 % |
2025 | +0,4 % |
2025 stieg gleichzeitig das Arbeitnehmerentgelt je Arbeitnehmerstunde um 4,9 %, die Lohnstückkosten um 4,5 %.
Im produzierenden Gewerbe stieg die Stundenproduktivität 2025 um 0,7 %, in den Dienstleistungsbereichen lediglich um 0,1 %. 🟢
Was bedeutet das?
Die Antwort kann nicht einfach lauten:
Löhne senken.
Wir müssen vielmehr untersuchen, warum vorhandene Arbeit, Kapital und Ressourcen nicht produktiver eingesetzt werden.
Dazu gehören:
Investitionen · Digitalisierung · Automatisierung · KI · Unternehmensorganisation · Qualifikation · Infrastruktur · Energie · Verwaltung · Wettbewerb.
Gleichzeitig unterscheiden wir zwischen:
vermeidbarer Ineffizienz
→ Prozesse verbessern.
technologisch möglicher Produktivitätssteigerung
→ investieren und modernisieren.
strukturell begrenzter Produktivität
→ menschliche Zeit schützen, wenn sie selbst wesentlicher Bestandteil der Leistung ist.
Unser Maßstab
Wo Produktivität möglich ist, wollen wir sie ermöglichen. Wo menschliche Zeit selbst die Leistung ist, darf fehlende Produktivitätssteigerung nicht bestraft werden.
Infrastruktur zeigt dasselbe Problem
Der von Kommunen wahrgenommene Investitionsrückstand beträgt 2026:
231,2 Mrd. € 🟢
Davon entfallen unter anderem:
68,9 Mrd. € auf Schulen
53,7 Mrd. € auf Straßen.
Für 2026 planen die Kommunen Sachinvestitionen von rund 50 Mrd. €. Gleichzeitig bremsen fehlendes Personal, Genehmigungs- und Vergabeverfahren und andere Kapazitätsengpässe die Umsetzung.
Deshalb lautet unsere Antwort nicht einfach:
mehr Geld.
Sondern:
Geld + Planungskapazitäten + Fachkräfte + schnellere Verfahren + Standardisierung + langfristige Investitionskorridore.
.
02 · Investitionen & Staat – welche Werkzeuge schlagen wir vor?
Wir wollen Investitionen nicht daran messen, wie viele Milliarden bereitgestellt wurden.
Wir wollen wissen:
Was wurde tatsächlich erhalten, gebaut oder produktiver gemacht?
Dafür verwenden wir sechs Grundprinzipien.
1 · Engpassprinzip
Zuerst dort investieren, wo ein Engpass viele weitere Investitionen verhindert.
2 · Erhaltung vor unnötigem Ersatz
Rechtzeitige Instandhaltung kann wesentlich günstiger sein als spätere Komplettsanierung oder Neubau.
3 · Lebenszykluskosten
Nicht nur den Kaufpreis betrachten:
Anschaffung + Betrieb + Energie + Wartung + Reparatur + Folgekosten.
4 · Langfristige Investitionskorridore
Verlässliche mehrjährige Pfade ermöglichen Unternehmen, Personal auszubilden, Maschinen anzuschaffen und zusätzliche Kapazitäten aufzubauen.
5 · Standardisierung
Schulen, Kitas und andere wiederkehrende öffentliche Gebäude müssen nicht jedes Mal vollständig neu geplant werden.
6 · Förderung als letztes Instrument
Unsere Reihenfolge lautet:
gute Rahmenbedingungen
↓
allgemeine Regeln
↓
Finanzierung / Garantien
↓
direkte Zuschüsse
Der Staat sollte nicht dauerhaft mit Subventionen ausgleichen, was durch schlechte Rahmenbedingungen verursacht wird.
Zukunftsinvestitionen sind nicht dasselbe wie laufende Ausgaben
Eine dauerhaft steigende laufende Ausgabe ist wirtschaftlich etwas anderes als eine Investition, die zukünftige Leistungsfähigkeit aufbaut.
Zu solchen Zukunftsinvestitionen gehören beispielsweise:
Infrastruktur · Bildung · Forschung · Digitalisierung · Energieinfrastruktur · neue Technologien.
Aber auch hier gilt:
Nicht alles, was Investition heißt, ist automatisch eine gute Investition.
Wir fragen:
Welchen Engpass beseitigt sie?
Welche Wirkung erwarten wir?
Welche Lebenszykluskosten entstehen?
Gibt es eine wirtschaftlichere Alternative?
Lässt sich die Wirkung später tatsächlich nachweisen?
Der erwartete zukünftige Nutzen einer Investition darf dabei nicht schon heute als sichere Einnahme verbucht werden.
Verwaltung als Produktivitätsfaktor
Auch staatliche Verfahren binden knappe Arbeitszeit.
Deshalb setzen wir auf:
Once Only
Informationen möglichst nur einmal übermitteln.
One Lead Authority
Ein verantwortlicher Ansprechpartner für komplexe Projekte.
Parallelprüfung
Behörden möglichst gleichzeitig statt nacheinander prüfen lassen.
Standardisierung und Digitalisierung
Routinefälle automatisieren, Menschen auf komplexe Aufgaben konzentrieren.
Und wir prüfen bei neuen Regeln:
Belastet diese Vorschrift kleine oder neue Unternehmen relativ stärker als große Unternehmen?
Unser Ziel ist deshalb nicht, möglichst viele Vorschriften zu streichen.
Unser Ziel lautet:
produktive Arbeitszeit zurückgewinnen.
B Das Vollkostenprinzip
03 · Vollkostenrechnung – wie werden die tatsächlichen Kosten ermittelt?
Der Marktpreis eines Produkts zeigt zunächst nur, was Käufer und Verkäufer miteinander abrechnen.
Er zeigt jedoch nicht automatisch alle Kosten, die durch Herstellung, Nutzung und Entsorgung entstehen.
Genau hier setzt die Vollkostenrechnung an.
Sie soll möglichst sichtbar machen, welche Kosten eine wirtschaftliche Entscheidung über ihren gesamten Lebenszyklus tatsächlich verursacht.
1. Zuerst wird nicht das Produkt, sondern der Bedarf betrachtet
Ein sinnvoller Vergleich beginnt mit der Frage:
Welche Leistung wird eigentlich benötigt?
Bei einer Waschmaschine ist das nicht der Besitz einer Maschine, sondern beispielsweise eine bestimmte Zahl von Waschvorgängen.
Bei einer Heizung ist es die Bereitstellung einer bestimmten Wärmemenge.
Bei Mobilität ist es die Beförderung von Menschen oder Gütern.
Dadurch lassen sich unterschiedliche Lösungen fairer miteinander vergleichen.
Eine Waschmaschine für 400 Euro, die nach sechs Jahren ersetzt werden muss, kann über zwölf Jahre teurer sein als eine Maschine für 650 Euro, die doppelt so lange funktioniert.
2. Der gesamte Lebenszyklus wird betrachtet
In die Berechnung fließen deshalb nicht nur die Anschaffungskosten ein.
Betrachtet werden – soweit für das jeweilige Produkt relevant und verfügbar – unter anderem:
**Anschaffung
- Energie und Betrieb
- Wartung
- Reparatur
- Ersatzteile
- Lebensdauer
- Entsorgung und Recycling
− möglicher Restwert**
Damit entstehen zunächst die Lebenszykluskosten.
Anschließend werden externe Kosten betrachtet.
Das können beispielsweise Klimaschäden, Luftschadstoffe oder andere Umweltwirkungen sein, deren Kosten bislang nicht vollständig vom Verursacher getragen werden.
3. Nur belastbare Kosten werden in Euro umgerechnet
Nicht jede gesellschaftliche oder ökologische Wirkung lässt sich seriös mit einem Geldbetrag versehen.
Deshalb unterscheidet die RSM drei Fälle:
Monetarisierbar:
Für die Wirkung existieren wissenschaftlich ausreichend belastbare Kostensätze. Sie kann in die monetäre Vollkostenrechnung einfließen.
Messbar, aber nicht zuverlässig monetarisierbar:
Die Wirkung wird mit geeigneten Kennzahlen dargestellt.
Noch nicht ausreichend messbar:
Sie wird transparent als offene Wirkung ausgewiesen, aber nicht mit einem künstlichen Geldwert versehen.
Damit soll vermieden werden, aus einer komplexen Bewertung eine scheinbar exakte Zahl zu erzeugen, die wissenschaftlich nicht zu rechtfertigen ist.
4. Wer liefert die Daten?
Das System soll nicht darauf beruhen, dass eine staatliche Behörde jedes einzelne Produkt selbst untersucht.
Die Aufgaben werden getrennt.
Unternehmen und Hersteller liefern standardisierte Produkt- und Produktionsdaten.
Wissenschaft und Fachbehörden entwickeln einheitliche Bewertungsmethoden, Referenzwerte und Kostensätze.
Bestehende Kontroll- und Marktaufsichtsstrukturen überprüfen Angaben stichprobenartig.
Falsche oder manipulierte Angaben müssen wirksam sanktioniert werden.
Langfristig können standardisierte Produktdaten und digitale Produktinformationen einen großen Teil der Berechnung automatisierbar machen.
5. Nicht jede Entscheidung braucht dieselbe Prüfung
Das Vollkostenprinzip soll keinen neuen Bürokratieapparat schaffen.
Deshalb gilt das Prinzip der Verhältnismäßigkeit.
Bei alltäglichen Konsumgütern soll der Verbraucher keine eigene Vollkostenrechnung durchführen müssen. Die Bewertung erfolgt standardisiert auf Produktebene.
Bei normalen Unternehmensinvestitionen kann eine vereinfachte Lebenszyklusbetrachtung ausreichen.
Bei großen Investitionen wird genauer geprüft.
Und bei staatlichen Großprojekten mit jahrzehntelangen Folgewirkungen sollte eine umfassende Vollkosten- und Alternativenprüfung selbstverständlich sein.
Je größer die wirtschaftliche und gesellschaftliche Tragweite einer Entscheidung, desto gründlicher wird geprüft.
6. Daraus entsteht eine einheitliche Prüflogik
Die Vollkostenprüfung folgt grundsätzlich demselben Ablauf:
Bedarf bestimmen
↓
realistische Alternativen vergleichen
↓
Lebenszykluskosten berechnen
↓
belastbar zurechenbare externe Kosten ergänzen
↓
weitere relevante Wirkungen ausweisen
↓
Ursache eines möglichen Marktfehlers bestimmen
Erst danach stellt sich die Frage:
Welches wirtschaftspolitische Instrument ist geeignet, diesen Marktfehler zu korrigieren?
Das kann eine Abgabe sein.
Es kann aber genauso ein Standard, eine veränderte öffentliche Beschaffung, bessere Finanzierung, Wettbewerbspolitik oder ein anderes Instrument sein.
Das Vollkostenprinzip schreibt deshalb nicht automatisch eine bestimmte politische Maßnahme vor.
Es schafft zunächst eine bessere Entscheidungsgrundlage.
Das Vollkostenprinzip ermittelt, welche Kosten tatsächlich entstehen. Das Verursacherprinzip beantwortet anschließend, wem diese Kosten zugerechnet werden sollen.
04 · Vom Vollkostenwert zum Preis – wie wird das Prinzip wirtschaftlich wirksam?
Eine Vollkostenrechnung allein verändert noch keinen Markt.
Wenn ein Produkt weiterhin 400 Euro kostet und lediglich ein Hinweis danebensteht, dass es gesellschaftlich eigentlich höhere Kosten verursacht, bleibt sein bisheriger Preisvorteil bestehen.
Deshalb soll das Vollkostenprinzip der RSM nicht bei einem Label enden.
Wo externalisierte Kosten wissenschaftlich ausreichend belastbar ermittelt und zugerechnet werden können, sollen sie schrittweise wirtschaftlich wirksam werden.
1. Externalisierte Kosten verlieren ihren Preisvorteil
Das Grundprinzip ist einfach:
Verursacht ein Produkt Kosten, die heute von der Allgemeinheit, Umwelt oder Zukunft getragen werden, sollen diese soweit sinnvoll dem Verursacher zugerechnet werden.
Dadurch wird ein bisher unsichtbarer Teil der Kosten sichtbar.
Ein Produkt wird also nicht deshalb belastet, weil der Staat es für „schlecht“ erklärt.
Entscheidend sind nachvollziehbare und einheitliche Kriterien.
Das Ziel lautet:
Ein Produkt soll nicht allein deshalb besonders günstig sein können, weil einen Teil seiner tatsächlichen Kosten andere bezahlen.
2. Keine politisch frei erfundenen Aufschläge
Aus der Vollkostenrechnung darf kein beliebiges Lenkungsinstrument werden.
Wenn wissenschaftlich zurechenbare externe Kosten 100 Euro betragen, sollte daraus nicht ohne weitere Begründung ein Aufschlag von 300 Euro werden, nur weil eine stärkere Lenkungswirkung gewünscht ist.
Sonst würde aus dem Vollkostenprinzip eine politisch beliebig steuerbare Strafsteuer.
Deshalb werden zwei Dinge getrennt:
Vollkosteninternalisierung
Sie orientiert sich an den tatsächlich zurechenbaren Kosten.
Transformationsförderung
Sie kann zeitlich begrenzt eingesetzt werden, um den Wechsel zu besseren Technologien oder Produkten zu beschleunigen.
Damit bleiben Kostenwahrheit und politische Förderung transparent voneinander getrennt.
3. Ein Übergangsbonus kann sinnvoll sein – aber nicht dauerhaft
Neue, langlebige oder ressourcenschonende Lösungen können zunächst höhere Anschaffungskosten haben.
Während einer Übergangsphase kann deshalb ein zeitlich begrenzter Bonus sinnvoll sein.
Dieser soll mit zunehmender Marktdurchdringung sinken und schließlich auslaufen.
Das Ziel ist nicht, gute Produkte dauerhaft staatlich billig zu machen.
Langfristig sollen sie sich durch geringere Vollkosten, technische Verbesserungen, größere Produktionsmengen und fairere Wettbewerbsbedingungen selbst behaupten können.
4. Einnahmen dürfen nicht zur dauerhaften Staatsfinanzierung werden
Durch Vollkostenbelastungen können zunächst erhebliche Einnahmen entstehen.
Diese Einnahmen dürfen jedoch nicht fest zur Finanzierung dauerhafter Staatsausgaben eingeplant werden.
Denn Unternehmen sollen gerade einen Anreiz bekommen, ihre Produkte und Produktionsweisen zu verbessern.
Sinken dadurch die externalisierten Kosten, sinken auch die Einnahmen.
Das ist kein Fehler des Systems.
Es ist sein Erfolg.
Übergangseinnahmen können beispielsweise für Transformationsanreize, soziale Entlastung oder die Reduzierung anderer Belastungen verwendet werden.
Das Vollkostenprinzip soll deshalb möglichst eine Verschiebung von Belastungen bewirken – nicht einfach eine zusätzliche dauerhafte Steuerbelastung schaffen.
5. Die soziale Wirkung wird gleichzeitig geprüft
Ein ökologisch oder gesellschaftlich sinnvoller Preis kann trotzdem ein soziales Problem erzeugen.
Besonders Haushalte mit niedrigen Einkommen können sich ein langlebiges Produkt möglicherweise nicht leisten, obwohl es über zehn oder zwölf Jahre deutlich günstiger wäre.
Deshalb werden Vollkostenkorrektur und soziale Entlastung nicht nacheinander, sondern gemeinsam betrachtet.
Eine wichtige Schutzregel der RSM lautet:
Haushalte im unteren Einkommensbereich sollen durch die Kombination aus Vollkostenkorrektur und RSM-Entlastungen netto nicht zusätzlich belastet werden.
Bei notwendigen langlebigen Gütern können außerdem geeignete Finanzierungsmöglichkeiten helfen, hohe einmalige Anschaffungskosten auf einen längeren Zeitraum zu verteilen.
6. Auch Preisstabilität gehört zum Stresstest
Werden viele externalisierte Kosten gleichzeitig in Preise aufgenommen, kann das kurzfristig das Preisniveau erhöhen.
Deshalb darf das Vollkostenprinzip nicht über Nacht auf die gesamte Wirtschaft übertragen werden.
Neue Produktgruppen werden schrittweise aufgenommen.
Vor jeder größeren Ausweitung werden insbesondere geprüft:
Preiswirkung
Verteilungswirkung
Wettbewerbswirkung
Bürokratiekosten
Innovationswirkung
Erst wenn die Auswirkungen beherrschbar sind, folgt der nächste Schritt.
Ein einmaliger Anstieg bestimmter Preise ist dabei nicht automatisch dauerhaft höhere Inflation. Langfristig können langlebigere, reparierbare und effizientere Produkte die tatsächlichen Lebenshaltungskosten sogar senken.
7. Gleiche Regeln unabhängig von der Herkunft
Das Vollkostenprinzip soll kein Instrument zum Schutz deutscher Unternehmen vor ausländischer Konkurrenz sein.
Ein gutes chinesisches Produkt soll genauso erfolgreich sein können wie ein gutes deutsches Produkt.
Und ein schlechtes deutsches Produkt soll keinen Vorteil erhalten, nur weil es in Deutschland hergestellt wurde.
Deshalb gilt grundsätzlich:
Nicht die Herkunft entscheidet, sondern die nach einheitlichen Kriterien ermittelte Wirkung.
Wo Deutschland rechtlich entsprechende Regelungen einführen kann, müssen sie deshalb herkunftsneutral ausgestaltet werden.
Hersteller oder Importeure liefern die notwendigen Daten.
Fehlen überprüfbare individuelle Daten, können für die jeweilige Produktgruppe wissenschaftlich festgelegte Standardwerte verwendet werden. Ein Hersteller muss die Möglichkeit erhalten, bessere tatsächliche Werte nachzuweisen.
8. Deutschland beginnt dort, wo es selbst handeln kann
Das Vollkostenprinzip ist Bestandteil der Regenerativen Sozialen Marktwirtschaft. Seine Einführung soll deshalb nicht davon abhängig sein, dass zuvor alle anderen Staaten dasselbe System übernehmen.
Deutschland kann zunächst dort beginnen, wo nationale Handlungsmöglichkeiten bestehen:
öffentliche Beschaffung
staatliche Investitionen
Förderprogramme
öffentliche Finanzierung
geeignete herkunftsneutrale Abgaben- und Anreizsysteme
Andere Bereiche sind europäisch geregelt.
Deutschland kann beispielsweise nicht eigenständig neue Zölle auf Produkte aus Drittstaaten einführen. Auch bei Produktvorschriften und der Mehrwertsteuer bestehen europäische Grenzen.
Deshalb lautet die Strategie:
national beginnen → Erfahrungen sammeln → Wirkung überprüfen → europäisch weiterentwickeln
Ein funktionierendes deutsches Modell könnte später als Grundlage dienen, um Vollkostenprinzip, europäischen Produktpass, Ökodesign und weitere europäische Instrumente stärker miteinander zu verbinden.
9. Erfolg bedeutet sinkende externe Kosten
Das Vollkostenprinzip hat letztlich nicht das Ziel, möglichst viele Produkte mit Aufschlägen zu versehen.
Es soll Unternehmen einen wirtschaftlichen Anreiz geben, ihre Produkte zu verbessern.
Wer weniger Ressourcen benötigt, Produkte langlebiger und reparierbarer macht, Emissionen reduziert oder Kreisläufe besser schließt, verringert seine Vollkostenbelastung.
Damit verändert sich der Wettbewerb:
Nicht derjenige soll gewinnen, der gesellschaftliche Kosten am erfolgreichsten aus seinem Preis herausrechnet.
Sondern zunehmend derjenige,
der eine benötigte Leistung mit den geringsten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Gesamtkosten bereitstellt.
Ein erfolgreiches Vollkostensystem erkennt man langfristig nicht an steigenden Einnahmen, sondern daran, dass immer weniger externalisierte Kosten entstehen.
C Der neue Finanzierungsmechanismus
05 · Produktivitätsbeitrag – wie funktioniert er konkret?
Der Produktivitätsbeitrag ist eines der zentralen HUMA-Instrumente.
Seine Grundidee:
Soziale Sicherheit soll nicht immer stärker allein durch menschliche Arbeit finanziert werden, während Wertschöpfung zunehmend auch durch Kapital, Maschinen, Software, Automatisierung und KI entsteht.
🟡 Aktueller HUMA-Referenzstand
Parameter | HUMA-Modell |
Beitragssatz | 3,2 % |
Betriebsfreibetrag | 100.000 € je Unternehmen |
Personalfreibetrag | 25.000 € je VZÄ |
zusätzlicher Arbeitsintensitätsschutz | bis 18.000 € je VZÄ |
maximaler Beschäftigungsschutz | bis 43.000 € je VZÄ |
modellierte Bemessungsgrundlage | ca. 1,83 Bio. € |
modelliertes Aufkommen | ca. 58,6 Mrd. €/Jahr |
Die 58,6 Mrd. € sind eine HUMA-Modellrechnung, keine amtliche Einnahmeprognose.
Der Produktivitätsbeitrag wurde innerhalb des Projekts mehrfach mit unterschiedlichen Annahmen und Schutzmechanismen gerechnet und weiterentwickelt.
Beispiel · Unternehmen mit 20 Beschäftigten
20 VZÄ × 25.000 € Personalfreibetrag:
500.000 €
plus Betriebsfreibetrag:
100.000 €
ergibt:
600.000 € geschützte Bemessungsgrundlage.
Bei maximalem Arbeitsintensitätsschutz:
20 × 43.000 € + 100.000 €
=
960.000 € Schutz.
Damit lautet die Logik:
Je stärker Wertschöpfung von menschlicher Arbeit abhängt, desto stärker wird diese Arbeit geschützt.
Und Investitionen?
Investitionen in Maschinen, Digitalisierung, Robotik, KI oder Energieeffizienz sollen sich weiterhin lohnen.
Der Investitionsschutz erfolgt deshalb über die Bemessungs- und Abschreibungslogik.
Unser Grundsatz:
Die Investition schützen – den später dauerhaft entstehenden Produktivitätsgewinn nicht dauerhaft freistellen.
So wird Produktivität nicht bestraft.
Aber hohe Wertschöpfung kann sich breiter an der Finanzierung gemeinsamer Aufgaben beteiligen.
06 · Mehr Netto vom Brutto – was haben Beschäftigte davon?
Der Produktivitätsbeitrag ist kein Selbstzweck.
Ein zentrales HUMA-Ziel lautet:
Mehr Netto vom Brutto
Heute finanzieren Arbeitnehmer und Arbeitgeber einen großen Teil unserer sozialen Sicherung über Löhne und Gehälter.
Steigen die Sozialausgaben, steigen deshalb häufig auch die Belastungen auf Arbeit.
HUMA will diesen Mechanismus schrittweise verändern.
Unsere Reihenfolge
Schritt 1 · Sozialversicherung stabilisieren
Unser derzeitiger Ausgangs-Arbeitswert:
- 28 Mrd. € jährlich 🟡
Schritt 2 · verbleibenden Spielraum gezielt für geringe Einkommen nutzen
Bei unserem derzeitigen Modell:
58,6 Mrd. € Produktivitätsbeitrag
− 28,0 Mrd. € SV-Stabilisierung
=
30,6 Mrd. € rechnerischer anfänglicher Spielraum 🟡
Dieser Spielraum soll gezielt dazu beitragen, dass bei geringen Einkommen mehr Netto vom Brutto übrig bleibt.
Wichtig
Die 30,6 Mrd. € sind kein festes Auszahlungsversprechen.
Der tatsächliche Finanzierungsbedarf der Sozialversicherung wird jedes Jahr festgestellt.
Nur was darüber hinaus tatsächlich vorhanden ist, kann zur Entlastung verwendet werden.
Erst Stabilität – dann Mehr Netto vom Brutto.
Entscheidend ist, was wirklich ankommt
Dabei reicht es nicht, nur Sozialabgaben oder Einkommensteuer isoliert zu betrachten.
Entscheidend ist die effektive Grenzbelastung.
Vereinfacht:
+ zusätzliches Bruttoeinkommen
− zusätzliche Einkommensteuer
− zusätzliche Sozialabgaben
− wegfallende oder sinkende Transferleistungen
=
tatsächliches zusätzliches verfügbares Einkommen
Unser Prüfgrundsatz lautet:
Jeder zusätzliche Euro Erwerbseinkommen muss das verfügbare Haushaltseinkommen tatsächlich erhöhen.
Deshalb sollen Transferleistungen möglichst gleitend auslaufen, statt harte Abbruchkanten zu erzeugen.
Arbeit, zusätzliche Stunden, Weiterbildung und beruflicher Aufstieg müssen sich spürbar lohnen.
Einkommensteuer gehört ebenfalls dazu
Mehr Netto vom Brutto besteht bei HUMA nicht nur aus Sozialbeiträgen.
Auch die Einkommensteuer soll so weiterentwickelt werden, dass insbesondere kleine und mittlere Einkommen entlastet werden.
Unser Ansatz:
kalte Progression abschwächen
Tarif gleichmäßiger gestalten
niedrige und mittlere Einkommen entlasten
sehr hohe Einkommen moderat stärker beteiligen.
Dabei wollen wir kein zusätzliches großes Finanzierungsloch erzeugen.
🟡 HUMA-Ziel: weitgehend aufkommensneutral
Der derzeitige Arbeitskorridor liegt bei ungefähr:
0–2 Mrd. € Mindereinnahmen.
Auch die Umsatzsteuerreform soll nach unserem aktuellen Modell ungefähr aufkommensneutral gestaltet werden.
Damit lautet der Gesamtansatz:
Nicht immer neue Milliarden verteilen – bestehende Belastungen intelligenter verteilen.
D Unternehmen, Arbeit und Struktur
07 · Unternehmensdeal – was bekommt die Wirtschaft zurück?
Der Produktivitätsbeitrag ist nur eine Seite des Deals.
Auch Unternehmen sollen langfristig entlastet werden.
Unser Ziel:
bis zu 4 Prozentpunkte weniger Arbeitgeber-Lohnnebenkosten innerhalb von 10 Jahren
Was kostet das?
Nach unserem aktuellen Arbeitsstand entsprechen vier Beitragspunkte ungefähr:
55–62 Mrd. € jährlich 🟡
Als langfristige Planungsgröße verwenden wir:
rund 60 Mrd. € jährlich.
Diese Summe wird nicht aus dem verbleibenden Produktivitätsbeitrag finanziert.
Der Produktivitätsbeitrag folgt einem anderen Weg:
Sozialversicherung stabilisieren
↓
verbleibenden Spielraum für Mehr Netto vom Brutto bei geringen Einkommen nutzen.
Die Arbeitgeberentlastung muss dagegen durch echte strukturelle Verbesserungen entstehen.
Die Strukturdividende
Wenn Gesundheitssystem, Verwaltung, Sozialstaat und andere öffentliche Strukturen dauerhaft effizienter werden, werden Ressourcen frei.
Diesen dauerhaften Spielraum nennen wir:
Strukturdividende
Unsere bisherige Gesundheitsanalyse hat beispielsweise ein langfristiges Effizienzpotenzial von:
- 13–22 Mrd. € jährlich 🟡
identifiziert.
Aber:
Potenzial ist noch keine Einsparung.
Eine Einsparung wird erst angerechnet, wenn sie tatsächlich eingetreten, nachgewiesen und dauerhaft ist.
Der Vier-Punkte-Stresstest
Nachgewiesene Strukturdividende | mögliche AG-Entlastung |
15 Mrd. € | ca. 1 Punkt |
30 Mrd. € | ca. 2 Punkte |
45 Mrd. € | ca. 3 Punkte |
60 Mrd. € | ca. 4 Punkte |
Werden nur 30 Mrd. € dauerhaft erreicht, werden ungefähr zwei Punkte gesenkt.
Nicht vier.
Die Regel lautet:
reformieren
↓
Wirkung messen
↓
dauerhafte Einsparung feststellen
↓
erst dann Beitrag senken.
Keine nachgewiesene Strukturdividende – keine entsprechende Beitragssenkung.
Damit ist die Vier-Punkte-Entlastung ein Zielkorridor und kein ungedecktes Versprechen.
08 · Arbeit & Fachkräfte – wie bestimmen wir den wirklichen Bedarf?
„Deutschland fehlen Fachkräfte“ ist uns als Diagnose zu ungenau.
Denn gleichzeitig verändern Digitalisierung, Automatisierung, KI, Demografie und wirtschaftlicher Strukturwandel den Arbeitsmarkt.
Menschen verlieren dadurch nicht automatisch ihre Fähigkeiten.
Diese Fähigkeiten können möglicherweise an anderer Stelle dringend gebraucht werden.
Deshalb entwickeln wir eine vorausschauende HUMA-Fachkräftemarkanalyse.
Unsere Prüfkette
1 · Welche Tätigkeiten verändern sich oder fallen weg?
↓
2 · Welche Fähigkeiten besitzen die betroffenen Beschäftigten?
↓
3 · Wo entstehen in fünf oder zehn Jahren gleichzeitig neue Bedarfe?
↓
4 · Welche Fähigkeiten sind direkt übertragbar?
↓
5 · Welche zusätzliche Qualifikation fehlt?
↓
6 · Welche Lücke lässt sich durch Weiterbildung schließen?
↓
7 · Welche Fachkräftelücke bleibt tatsächlich bestehen?
↓
8 · Welche Restlücke muss durch Ausbildung, Studium oder gezielte Fachkräftezuwanderung geschlossen werden?
Damit wird aus:
„Wir brauchen mehr Fachkräfte.“
die präzisere Frage:
Welche Fähigkeiten brauchen wir wann, wo und in welchem Umfang?
Fähigkeiten erkennen heißt auch passende Arbeitsbedingungen schaffen
Dabei reicht es nicht, nur festzustellen, welche Fähigkeiten ein Mensch besitzt.
Wir müssen auch fragen:
Unter welchen Bedingungen kann dieser Mensch seine Fähigkeiten sinnvoll einsetzen?
Menschen unterscheiden sich in Arbeitsgeschwindigkeit, körperlicher Belastbarkeit, Konzentrationsfähigkeit und darin, wie gut sie mit Zeitdruck oder ständig wechselnden Anforderungen umgehen können.
Das bedeutet nicht automatisch, dass sie für den Arbeitsmarkt ungeeignet sind.
Manchmal passt vielmehr der Arbeitsplatz nicht zu den vorhandenen Fähigkeiten.
Deshalb sollte eine vorausschauende Fachkräftepolitik auch prüfen, ob Arbeit durch bessere Organisation, technische Unterstützung, angepasste Aufgaben oder geeignete Arbeitszeitmodelle so gestaltet werden kann, dass mehr Menschen dauerhaft am Erwerbsleben teilnehmen können.
Dabei zählt nicht ausschließlich die maximale Produktivität eines einzelnen Arbeitsplatzes.
Gesamtgesellschaftlich kann ein Arbeitsplatz mit geringerer individueller Arbeitsleistung sinnvoller sein als gar kein Arbeitsplatz, wenn dadurch vorhandene Fähigkeiten genutzt, gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht und Unterstützungsbedarf reduziert werden kann.
Die konkrete Ausgestaltung solcher Arbeitsplätze und die notwendige individuelle Begleitung behandeln wir im Bereich Arbeit & Qualifikation.
Fachkräfteplanung beginnt damit nicht erst bei heutigen Stellenanzeigen.
Sie beginnt bei der Frage, welche Technologien, Tätigkeiten und Wirtschaftsbereiche künftig wachsen – und welche Fähigkeiten dafür benötigt werden.
Gleichzeitig prüfen wir, ob knappe Fachkräfte heute mit Tätigkeiten beschäftigt werden, die durch bessere Organisation oder Technik vermieden werden könnten.
Eine Pflegekraft soll möglichst pflegen.
Ein Lehrer soll möglichst unterrichten.
Ein Handwerker soll möglichst sein Fachwissen einsetzen.
So verbinden wir:
Technologiestrategie · Arbeitsmarkt · Bildung · Weiterbildung · gezielte Zuwanderung.
Die vollständige Fachkräfte- und Qualifikationsanalyse gehört anschließend in den Bereich Arbeit & Qualifikation.
E Hält die Rechnung
09 · Finanzierung & Gesamtbilanz – ist das bezahlbar?
Hier gilt unsere wichtigste Buchungsregel:
Ein Euro darf nur einmal verwendet werden.
Politische Konzepte wirken schnell finanzierbar, wenn dieselbe Einnahme, Umschichtung oder Einsparung mehrfach verwendet wird.
Deshalb trennen wir unsere Geldströme.
🟡 Zusätzlicher dauerhafter Finanzierungsbedarf
HUMA-Arbeitskorridor:
- 2–6 Mrd. € jährlich
Mittlerer Planungswert:
- 4 Mrd. €
Sicherheitsrahmen:
bis etwa 8 Mrd. €
🟡 Temporäre Transformationskosten
Für Aufbau, Übergang und Systemumbau:
- 3–6 Mrd. € jährlich
während der jeweiligen Umbauphase.
Diese Ausgaben sind von dauerhaften zusätzlichen Verpflichtungen zu unterscheiden.
🟡 Produktivitätsbeitrag
- 58,6 Mrd. € Modellaufkommen
Das sind nicht 58,6 Mrd. € frei verfügbares zusätzliches Staatsgeld.
Der Geldstrom lautet:
Produktivitätsbeitrag
↓
Sozialversicherung stabilisieren
↓
nur tatsächlich verbleibenden Spielraum für Mehr Netto vom Brutto bei geringen Einkommen nutzen.
Dieser Betrag kann anschließend nicht noch einmal für eine andere Reform verwendet werden.
Steuerumbau
Einkommensteuer und Umsatzsteuer sollen nach unserem derzeitigen Modell weitgehend beziehungsweise ungefähr aufkommensneutral umgebaut werden.
Eine Umschichtung innerhalb eines Steuersystems ist deshalb keine zusätzliche Einnahme.
Bestehende Staatsausgaben
Auch vorhandene Mittel können besser priorisiert oder effizienter eingesetzt werden.
Aber:
Umschichtung ist noch keine Einsparung.
Strukturdividende
Eine Strukturdividende entsteht erst, wenn eine Reform Kosten tatsächlich, nachweisbar und dauerhaft reduziert.
Nur dieser reale Spielraum kann anschließend neu verwendet werden.
Zukunftsinvestitionen
Investitionen in Infrastruktur, Bildung, Forschung, Digitalisierung, Energie oder Technologie behandeln wir getrennt von zusätzlichen dauerhaften Ausgaben.
Ihr erwarteter zukünftiger Produktivitätsgewinn darf aber nicht schon heute als sichere Gegenfinanzierung verbucht werden.
Unsere Buchungsregel
Einnahme, Umschichtung, Investition, Einsparung und Strukturdividende sind nicht dasselbe. Deshalb rechnen wir sie auch nicht so.
10 · Internationale Beispiele & Stresstest – was können wir lernen und was passiert, wenn wir uns irren?
Was können wir von anderen Ländern lernen?
Viele Bausteine unseres Ansatzes werden andernorts bereits praktisch angewandt.
🇪🇪 Estland
Digitale Verwaltung · digitale Identität · Once Only
Unser Lernpunkt: Informationen nicht ständig neu abfragen, sondern Verwaltung als zusammenhängendes digitales System organisieren.
🇩🇰 Dänemark
Digitalisierung · flexibler Arbeitsmarkt · Weiterbildung
Unser Lernpunkt: Strukturwandel braucht einfache berufliche Übergänge und kontinuierliche Qualifikation.
🇳🇱 Niederlande
Primärversorgung · Patientensteuerung · Gesundheitsorganisation
Unser Lernpunkt: Nicht nur einzelne Behandlungen finanzieren – den gesamten Patientenweg besser organisieren.
🇸🇪 Schweden
Sozialstaat · Digitalisierung · moderne öffentliche Strukturen
Unser Lernpunkt: Soziale Sicherheit und wirtschaftliche Modernisierung müssen keine Gegensätze sein.
🇫🇮 Finnland
Bildung · Forschung · Fähigkeiten · Innovation
Unser Lernpunkt: Menschen sind wirtschaftliche Zukunftsinfrastruktur.
🇨🇭 Schweiz
Duale Berufsbildung · enge Verbindung von Unternehmen und Qualifikation
Unser Lernpunkt: Ausbildung stärker mit tatsächlichem Fähigkeitenbedarf verbinden.
🇦🇹 Österreich
Berufsbildung · Fachkräfteentwicklung
Unser Lernpunkt: Berufliche Qualifikation ist neben akademischer Bildung eine zentrale Säule der Fachkräftesicherung.
🇸🇬 Singapur
Langfristige Infrastruktur- und Wirtschaftsplanung
Unser Lernpunkt: Verlässliche Planung ermöglicht Unternehmen, selbst langfristig Kapazitäten aufzubauen.
🇺🇸 USA
Risikokapital · Kapitalmärkte · Unternehmensskalierung
Unser Lernpunkt: Innovation braucht nicht nur Forschung, sondern ausreichend Kapital, um daraus große Unternehmen entstehen zu lassen.
🇮🇱 Israel
Forschung · Start-ups · Technologietransfer
Unser Lernpunkt: Entscheidend ist die Kette von der Forschung bis zur wirtschaftlichen Anwendung.
🇩🇪 Deutschland
Auch bei uns gibt es funktionierende Beispiele: duale Ausbildung, Forschungsnetzwerke, erfolgreiche Mittelstandscluster, digitale Modellprojekte, Reallabore und standardisierte Verfahren.
Unser Lernpunkt: Was regional bereits funktioniert, muss nicht neu erfunden – sondern verbreitet werden.
Nicht kopieren – lernen.
Nicht jedes Instrument ist gleich gut erprobt
Viele unserer Werkzeuge greifen auf umfangreiche praktische Erfahrungen zurück.
Andere kombinieren bekannte Instrumente neu.
Und einzelne Bausteine sind eigenständige HUMA-Modelle – insbesondere die konkrete Ausgestaltung des Produktivitätsbeitrags.
Deshalb gilt:
Je weniger praktische Erfahrung mit einem Instrument existiert, desto höher muss vor seiner Einführung die Beweislast sein.
Beim Produktivitätsbeitrag bedeutet das beispielsweise:
Bemessungsgrundlage prüfen
Branchenwirkungen prüfen
Arbeitsintensitätsschutz prüfen
Investitionswirkungen prüfen
Wettbewerbswirkungen prüfen
Konjunkturwirkungen prüfen
Aufkommen regelmäßig überprüfen.
Neu bedeutet für uns nicht automatisch falsch.
Aber neu bedeutet:
gründlicher testen.
Unsere Zahlen auf einen Blick
Größe | HUMA-Referenzstand |
Produktivitätsbeitrag | 3,2 % |
Betriebsfreibetrag | 100.000 € |
Personalfreibetrag | 25.000 €/VZÄ |
Arbeitsintensitätsschutz | bis 18.000 €/VZÄ zusätzlich |
maximaler Beschäftigungsschutz | bis 43.000 €/VZÄ |
PB-Modellaufkommen | ca. 58,6 Mrd. €/Jahr 🟡 |
SV-Stabilisierung – Ausgangswert | ca. 28 Mrd. €/Jahr 🟡 |
rechnerischer anfänglicher Spielraum für Mehr Netto | ca. 30,6 Mrd. €/Jahr 🟡 |
Gesundheits-Effizienzpotenzial | ca. 13–22 Mrd. €/Jahr 🟡 |
langfristiges AG-Entlastungsziel | bis 4 Prozentpunkte |
Größenordnung 4 Punkte | ca. 55–62 Mrd. €/Jahr 🟡 |
Planungsgröße | ca. 60 Mrd. €/Jahr |
zusätzlicher dauerhafter Bedarf | ca. 2–6 Mrd. €/Jahr 🟡 |
temporäre Transformation | ca. 3–6 Mrd. €/Jahr 🟡 |
Einkommensteuerreform | weitgehend aufkommensneutral 🟡 |
Umsatzsteuerreform | ungefähr aufkommensneutral 🟡 |
Wichtig zur Tabelle
Diese Beträge dürfen nicht einfach addiert werden.
Sie gehören teilweise zu unterschiedlichen Geldströmen oder sind Teilbeträge voneinander.
Beispielsweise sind die 28 Mrd. € SV-Stabilisierung und die rechnerischen 30,6 Mrd. € verbleibender Spielraum bereits Verwendungen innerhalb der 58,6 Mrd. € des Produktivitätsbeitrags.
Ebenso ist die mögliche Arbeitgeberentlastung kein zusätzlicher Geldtopf, sondern an tatsächlich realisierte Strukturdividenden gebunden.
Unser Stresstest
Wir rechnen nicht nur das gewünschte Szenario.
Produktivitätsbeitrag bringt weniger ein?
Dann steht weniger Geld für Mehr Netto vom Brutto zur Verfügung.
Sozialversicherung benötigt mehr als erwartet?
Dann wird sie zuerst stabilisiert. Die Entlastung geringer Einkommen fällt entsprechend kleiner aus.
Strukturdividende erreicht nur 30 statt 60 Mrd. €?
Dann werden ungefähr zwei statt vier Arbeitgeber-Beitragspunkte gesenkt.
Einsparungen kommen später?
Dann kommt auch die entsprechende Entlastung später.
Eine Zukunftsinvestition bringt weniger als erwartet?
Dann darf ihr ursprünglich erwarteter Produktivitätsgewinn nicht bereits zur Finanzierung dauerhafter Verpflichtungen verwendet worden sein.
Die Investition wird überprüft und gegebenenfalls verändert.
Eine Entlastung sieht auf dem Papier gut aus, kommt aber beim Haushalt nicht an?
Dann betrachten wir die gesamte effektive Belastung aus Steuern, Sozialabgaben und Transferentzug – und zusätzlich die Entwicklung notwendiger Lebenshaltungskosten.
Dafür verwenden wir unsere Referenzwarenkörbe:
Grundlagen · Teilhabe · Sicherheit.
Der Warenkorb ist kein automatischer Transferanspruch.
Er ist ein Prüfmaßstab:
Kann sich ein Haushalt nach der Reform tatsächlich mehr leisten?
Eine Reform funktioniert nicht?
Dann wird sie verändert oder beendet.
Was ist noch Modell – und was steht fest?
Einige Zahlen bleiben bewusst Arbeitswerte.
Die 58,6 Mrd. € Produktivitätsbeitrag, die 28 Mrd. € SV-Stabilisierung, die 13–22 Mrd. € Gesundheitspotenzial und verschiedene Finanzierungskorridore sind Modell- oder Planungsgrößen.
Sie müssen mit neuen Daten weiter überprüft werden.
Auch eine vollständige Netto-Matrix nach Einkommenshöhe und Haushaltstyp muss weiter ausgearbeitet werden.
Fest steht dagegen unser Finanzierungsprinzip:
Unsichere zukünftige Einnahmen oder Einsparungen finanzieren heute keine dauerhaften Versprechen.
Und genauso wichtig:
Wenn bessere Daten unsere Rechnung widerlegen, ändern wir die Rechnung – nicht die Daten.
Von der Idee zum überprüfbaren Plan
Damit schließt sich der Weg durch die vier Informationsebenen:
Ebene 1 · Orientierung
Was wollen wir erreichen?
Ebene 2 · Unser Plan
Was schlagen wir vor?
Ebene 3 · Ursachen & Zusammenhänge
Warum schlagen wir es vor?
Ebene 4 · Fakten & HUMA-Werkstatt
Wie kommen wir auf unsere Zahlen – und hält die Rechnung einem Stresstest stand?
Unser Anspruch ist nicht, heute jede Zahl für die kommenden zehn Jahre exakt vorherzusagen.
Unser Anspruch ist:
Größenordnungen kennen.
Annahmen offenlegen.
Gegenfinanzierung zeigen.
Unsicherheiten benennen.
Internationale Erfahrungen nutzen.
Wirkung messen.
Fehler korrigieren.
Denn Politik sollte nicht verlangen, dass man ihr glaubt.
Sie sollte zeigen können, wie sie zu ihren Schlussfolgerungen kommt.
Denn Politik sollte nicht verlangen, dass man ihr glaubt. Sie sollte zeigen können, wie sie zu ihren Schlussfolgerungen kommt.
