Unser Weg
Die Herausforderungen Deutschlands hängen miteinander zusammen. Deshalb betrachten wir auch ihre Lösungen nicht isoliert.
In den folgenden 15 Bereichen zeigen wir, was wir verändern wollen und welche Lösungsrichtungen wir dafür vorschlagen. Dabei geht es nicht um ein abgeschlossenes Programm, sondern um Ansätze, deren Wirkung überprüft, weiterentwickelt und – wenn nötig – korrigiert werden muss.
Wählen Sie einen Bereich aus, um unseren Weg näher kennenzulernen.
01 · WIRTSCHAFT & WOHLSTAND
Fortschritt muss sich wieder lohnen.
Deutschland ist ein wohlhabendes Land. Aber Wohlstand ist kein Besitzstand. Er muss immer wieder neu erwirtschaftet werden.
Wenn Produktivität kaum wächst, Investitionen ausbleiben, Infrastruktur altert, Energie teuer ist und Unternehmen immer mehr Zeit mit Verwaltung statt mit ihrer eigentlichen Arbeit verbringen, gerät dieser Wohlstand unter Druck.
Unsere Antwort darauf ist weder ein Angriff auf Unternehmen noch der Abbau sozialer oder ökologischer Standards.
Wir wollen die Bedingungen verändern, unter denen Wohlstand entsteht.
Unser Ziel: Eine Wirtschaft, in der Unternehmen erfolgreich sein können, Arbeit sich lohnt und Produktivitätsfortschritt bei Beschäftigten, Unternehmen und Gesellschaft ankommt.
Unser Weg:
1. Arbeit wieder stärker belohnen
Wer mehr leistet, muss davon auch etwas haben.
Für Beschäftigte zählt nicht der Bruttolohn, sondern was davon nach Steuern und Sozialabgaben übrig bleibt – und was sie sich davon leisten können.
Gerade untere und mittlere Einkommen wollen wir stärker entlasten. Gleichzeitig müssen zusätzliche Arbeitsstunden, höhere Qualifikation und beruflicher Aufstieg wieder spürbar mehr verfügbares Einkommen bringen.
Steuern, Sozialabgaben und wegfallende Transferleistungen dürfen zusätzlichen Einsatz nicht weitgehend auffressen.
Unser Grundsatz: Jeder Fortschritt muss sich lohnen – auch für den Beschäftigten.
→ Einkommensteuer, Sozialabgaben und Erwerbsanreize verstehen
2. Wirtschaft und Gesellschaft: ein gegenseitiger Deal
Eine starke Wirtschaft und eine starke Gesellschaft brauchen einander.
Unternehmen schaffen Arbeitsplätze, bilden aus, investieren, entwickeln Produkte, tragen Risiken und erzeugen Wertschöpfung.
Gleichzeitig wirtschaftet kein Unternehmen für sich allein. Die Gesellschaft stellt Schulen und Hochschulen, qualifizierte Beschäftigte, Straßen, Schienen, Energie- und Datennetze, Rechtssicherheit, Forschung, Gesundheitsversorgung und stabile Institutionen bereit.
Daraus entsteht gegenseitige Verantwortung.
Wir schlagen deshalb einen langfristigen HUMA-Unternehmensdeal vor.
Unternehmen beteiligen sich über einen Produktivitätsbeitrag breiter an der Stabilisierung der sozialen Sicherungssysteme. Der derzeitige Arbeitsstand liegt bei etwa 3,2 Prozent, ergänzt um Entlastungsmechanismen für besonders arbeitsintensive Branchen.
Im Gegenzug verpflichtet sich die Politik zu einem messbaren Zehn-Jahres-Reformpfad.
Unser Ziel ist unter anderem, die Arbeitgeber-Lohnnebenkosten innerhalb von zehn Jahren strukturell um etwa vier Prozentpunkte zu senken – nicht durch schlechtere soziale Absicherung, sondern durch Reformen, Effizienzsteigerungen und eine tragfähigere Finanzierung.
Hinzu kommen schnellere Verfahren, moderne Infrastruktur, wettbewerbsfähige Energie, bessere Bildung und verlässliche Investitionsbedingungen.
Beide Seiten geben. Beide Seiten profitieren. Beide Seiten übernehmen Verantwortung.
→ Der HUMA-Unternehmensdeal
→ Produktivitätsbeitrag: Modell, Branchen und Berechnung
→ Der Zehn-Jahres-Reformpfad
3. Investieren statt von der Substanz leben
Eine Volkswirtschaft kann ihre Zukunft nicht reparieren, wenn sie erst wartet, bis alles kaputt ist.
Straßen, Brücken, Schienen, Schulen, Netze und andere Infrastruktur müssen erhalten werden, bevor ihre Sanierung immer teurer wird.
Gleichzeitig brauchen wir echte Zukunftsinvestitionen: Digitalisierung, Energieinfrastruktur, Forschung, Bildung und produktivitätssteigernde Technologien.
Deshalb unterscheiden wir öffentliche Ausgaben konsequenter:
Reparatur · Erhaltung · Zukunft
Auch private Investitionen müssen sich wieder lohnen. Wer in Modernisierung und höhere Produktivität investiert, soll dafür verlässliche Rahmenbedingungen und geeignete steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten vorfinden.
→ Die HUMA-Investitionsstrategie
4. Bürokratie besser machen – nicht Schutz abschaffen
Eine Regel ist nicht gut, nur weil ihr Ziel gut ist.
Arbeitsschutz, Umweltstandards, Verbraucherschutz und fairer Wettbewerb brauchen Regeln.
Aber ein Unternehmen sollte dieselben Daten nicht mehrfach melden müssen. Genehmigungen dürfen nicht jahrelang zwischen Behörden wandern. Und Verwaltung darf nicht mehr Aufwand verursachen als das Problem, das sie lösen soll.
Unser Prinzip:
So viel Regelung wie nötig. So wenig Reibung wie möglich.
Digitalisierung, klare Zuständigkeiten, einmalige Datenerfassung und standardisierte Verfahren sollen Verwaltung einfacher machen, ohne notwendige Schutzstandards aufzugeben.
→ Verwaltung, Genehmigungen und Bürokratiekosten
5. Energie und Infrastruktur sind Wirtschaftspolitik
Der beste Betrieb kann nicht wettbewerbsfähig sein, wenn seine Grundlagen nicht funktionieren.
Unternehmen brauchen verlässliche Energie, leistungsfähige Strom- und Datennetze, funktionierende Verkehrswege und planbare Kosten.
Für energieintensive Industrie kommt die Frage hinzu, wie Prozesswärme langfristig zuverlässig und wettbewerbsfähig bereitgestellt werden kann.
Deshalb dürfen Energie-, Verkehrs-, Digital- und Wirtschaftspolitik nicht unabhängig voneinander geplant werden.
→ Energie sicher, sauber und bezahlbar machen
→ Infrastruktur als Standortfaktor
6. Technischen Fortschritt ermöglichen – Menschen mitnehmen
Wir sollten nicht versuchen, Arbeitsplätze dadurch zu schützen, dass wir Fortschritt verhindern.
KI, Robotik und Automatisierung werden Tätigkeiten verändern. Sie können Produktivität erhöhen, körperlich belastende Arbeiten reduzieren und neue Produkte ermöglichen.
Aber Menschen müssen die Möglichkeit haben, mit dieser Veränderung Schritt zu halten.
Deshalb verbinden wir Innovationspolitik mit Weiterbildung, Qualifikation und sozialer Sicherheit.
Technischer Fortschritt soll Arbeit besser und produktiver machen – nicht Menschen einfach zurücklassen.
→ KI, Automatisierung und Produktivität
→ Die HUMA-Weiterbildungsarchitektur
7. Wettbewerb schützen – nicht Marktpositionen
Marktwirtschaft braucht Wettbewerb.
Wo Unternehmen um Kunden, Beschäftigte und bessere Produkte konkurrieren, entstehen Innovation und Fortschritt.
Wo wenige Akteure Märkte dauerhaft kontrollieren, können Preise, Bedingungen und Abhängigkeiten entstehen, die mit funktionierendem Wettbewerb wenig zu tun haben.
Deshalb schützen wir nicht bestimmte Unternehmen vor Konkurrenz.
Wir schützen den Wettbewerb selbst.
Nicht Größe ist das Problem. Unkontrollierte Marktmacht ist es.
→ Wettbewerb und Marktmacht
→ Die HUMA-Marktmacht-Matrix
8. Fortschritt anders messen
Eine steigende Wirtschaftsleistung allein sagt noch nicht, ob das Leben besser wird.
Deshalb wollen wir wirtschaftlichen Fortschritt an mehreren Größen messen:
Steigt die Produktivität?
Steigen die real verfügbaren Einkommen?
Investieren Unternehmen?
Entstehen neue Unternehmen und Innovationen?
Bleiben unsere sozialen Sicherungssysteme tragfähig?
Sinken strukturelle Standortkosten?
Und verbrauchen wir dabei unsere natürlichen und gesellschaftlichen Grundlagen – oder erhalten und regenerieren wir sie?
Das Bruttoinlandsprodukt bleibt eine wichtige Kennzahl.
Aber es ist nicht die einzige.
→ Der HUMA-Wohlstands- und Fortschrittscheck
Was soll nach zehn Jahren anders sein?
Unsere Wirtschaftsstrategie soll nicht nur in Statistiken sichtbar werden.
Menschen sollen den Unterschied erleben.
Wer arbeitet, soll von wirtschaftlichem Fortschritt mehr auf seinem Konto spüren.
Wer ein Unternehmen führt, soll weniger Zeit mit unnötigen Verfahren und mehr Zeit mit Mitarbeitern, Kunden, Produkten und Investitionen verbringen.
Wer investieren will, soll auf funktionierende Infrastruktur, verlässliche Energie und berechenbare Rahmenbedingungen treffen.
Wer durch technischen Wandel seinen Beruf verändern muss, soll Zugang zu Qualifikation bekommen, statt erst aufgefangen zu werden, wenn der Arbeitsplatz bereits verloren ist.
Und eine Familie soll erleben, dass steigende Produktivität nicht nur Unternehmensbilanzen verbessert, sondern auch ihren Lebensstandard.
Das meinen wir, wenn wir sagen: Fortschritt muss sich wieder lohnen.
Noch tiefer einsteigen
Diese Seite beschreibt was wir verändern wollen.
Die nächsten Ebenen zeigen warum und wie:
Ursachen & Zusammenhänge
Warum Deutschland Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit verliert.
Lösungsmechanismen
Wie Einkommensteuer, Sozialabgaben, Produktivitätsbeitrag, Investitionen und Strukturreformen zusammenspielen.
Was bereits funktioniert
Ansätze aus Deutschland, Europa und anderen Ländern.
HUMA-Werkstatt
Berechnungen · Finanzierungsmodelle · Varianten · Gegenargumente · Stresstests · offene Fragen · Quellen.
Wo unsere Arbeit noch nicht abgeschlossen ist, kennzeichnen wir das.
Wir wollen nicht den Eindruck erwecken, auf jede Frage bereits eine fertige Antwort zu besitzen. Wir wollen zeigen, wie wir zu Antworten kommen.
02 · Bezahlbares Leben
Ein normales Leben darf kein Luxus werden.
Ob Menschen sich Wohlstand leisten können, entscheidet sich nicht allein auf der Gehaltsabrechnung.
Entscheidend ist, was nach Steuern und Sozialabgaben übrig bleibt – und was Wohnen, Lebensmittel, Energie, Mobilität und andere notwendige Ausgaben davon wieder aufzehren.
Ein Einkommen kann auf dem Papier ordentlich aussehen und trotzdem jeden Monat vollständig verbraucht sein.
Deshalb wollen wir Wohlstand näher am wirklichen Leben betrachten.
Nicht nur: Wie viel verdient jemand?
Sondern:
Was kann ein Mensch oder eine Familie mit diesem Einkommen tatsächlich leben?
Unser Ziel ist nicht, allen den gleichen Lebensstandard zu garantieren.
Unser Ziel ist, dass ein normales Einkommen wieder mehr ermöglicht, als nur irgendwie bis zum Monatsende zu kommen.
Unser Weg:
1. Ein normales Leben hat mind. drei Stufen
Existieren, teilnehmen und sich sicher fühlen sind nicht dasselbe.
Deshalb haben wir den HUMA-Warenkorb in drei aufeinander aufbauende Bereiche gegliedert:
Grundlagen
Es reicht bis zum Monatsende.
Wohnen, Lebensmittel, Energie, notwendige Kleidung, Gesundheit, Kommunikation und notwendige Mobilität können bezahlt werden.
Aber danach bleibt praktisch nichts übrig.
Eine größere Autoreparatur, eine kaputte Waschmaschine oder eine unerwartete Rechnung kann bereits zum Problem werden.
Grundlagen bedeuten: Das Leben funktioniert – aber ohne finanziellen Spielraum.
Teilhabe
Ich kann am normalen gesellschaftlichen Leben teilnehmen.
Zusätzlich zu den notwendigen Ausgaben bleibt Geld für soziale Kontakte, Freizeit, Verein, Kultur, Ausflüge, Aktivitäten der Kinder oder gelegentliche besondere Ausgaben.
Teilhabe bedeutet nicht Luxus.
Sie bedeutet, nicht bei jeder normalen gesellschaftlichen Aktivität außen vor bleiben zu müssen, weil das Geld ausschließlich für das Notwendigste reicht.
Sicherheit
Eine unerwartete Ausgabe wird nicht sofort zur Krise.
Zusätzlich zu Grundlagen und Teilhabe können begrenzte Rücklagen aufgebaut werden.
Eine Waschmaschine kann ersetzt, eine notwendige Reparatur bezahlt oder eine unerwartete Rechnung aufgefangen werden, ohne dass sofort Schulden entstehen oder andere notwendige Ausgaben ausfallen müssen.
Erst hier entsteht ein Mindestmaß an finanzieller Stabilität.
Diese drei Stufen sind für uns ein Maßstab dafür, was Einkommen im wirklichen Leben ermöglicht.
Grundlagen sind die Untergrenze.
Unser gesellschaftliches Ziel sollte höher liegen:
Ein normales Erwerbseinkommen sollte möglichst Grundlagen, gesellschaftliche Teilhabe und ein angemessenes Maß an Sicherheit ermöglichen.
Was darüber hinaus verbleibt, ist tatsächlich frei verfügbares Einkommen und zusätzlicher Wohlstand.
→ Die HUMA-Warenkörbe
→ Grundlagen · Teilhabe · Sicherheit im Detail
→ Warenkörbe nach Haushaltstyp
2. Unterschiedliche Leben brauchen unterschiedliche Warenkörbe
Ein Einkommen sagt ohne Lebenssituation nur einen Teil der Wahrheit.
Ein Single hat andere notwendige Ausgaben als eine Familie mit zwei Kindern.
Ein Alleinerziehender hat andere Belastungen als ein Paar.
Ein Rentner benötigt möglicherweise weniger berufliche Mobilität, während ein Auszubildender oder Arbeitnehmer im ländlichen Raum auf ein Auto angewiesen sein kann.
Deshalb rechnen wir nicht mit einem einzigen idealisierten Durchschnittshaushalt.
Wir betrachten unterschiedliche Lebenssituationen und fragen jeweils:
Reicht das verfügbare Einkommen für Grundlagen?
Reicht es zusätzlich für Teilhabe?
Bleibt genügend Spielraum für Sicherheit?
So wird sichtbar, was Einkommenszahlen allein häufig verdecken.
→ Single · Familie · Alleinerziehende · Rentner · Auszubildende/Studierende
3. Arbeit muss im Alltag einen sichtbaren Unterschied machen
Wer mehr arbeitet, sich qualifiziert oder beruflich aufsteigt, muss davon auch tatsächlich mehr haben.
Entscheidend ist deshalb nicht allein der zusätzliche Bruttolohn.
Einkommensteuer, Sozialabgaben und möglicherweise wegfallende staatliche Leistungen wirken gleichzeitig auf das verfügbare Einkommen.
Wenn von 100 Euro zusätzlichem Verdienst nur ein kleiner Teil tatsächlich beim Haushalt ankommt, verliert zusätzliche Arbeit an Attraktivität.
Wir wollen deshalb Steuern, Sozialabgaben und Transfers stärker zusammendenken.
Gerade bei unteren und mittleren Erwerbseinkommen soll zusätzlicher Einsatz spürbar mehr Lebensmöglichkeiten schaffen.
Unser Grundsatz: Jeder Fortschritt muss sich lohnen.
→ Einkommensteuer und Sozialabgaben
→ Was von 100 Euro zusätzlichem Einkommen tatsächlich bleibt
4. Grundversorgung anders behandeln als zusätzlichen Konsum
Nicht jeder Euro Konsum erfüllt denselben Zweck.
Notwendige Lebensmittel und andere grundlegende Güter haben für einen Haushalt eine andere Bedeutung als zusätzlicher Konsum.
Deshalb haben wir untersucht, wie die Umsatzsteuer stärker an Grundversorgung und Produkteigenschaften ausgerichtet werden könnte.
Dabei ist uns ein Punkt wichtig:
Eine Entlastung der Grundversorgung darf nicht einfach ein neues Milliardenloch im Staatshaushalt erzeugen.
Deshalb haben wir unser Umsatzsteuermodell so weiterentwickelt, dass Entlastungen und Belastungen in der Gesamtbetrachtung möglichst aufkommensneutral ausgestaltet werden.
Grundversorgung entlasten – ohne die Rechnung einfach an anderer Stelle offen zu lassen.
→ Die HUMA-Umsatzsteuermatrix
→ Was gehört zur Grundversorgung?
→ Aufkommensneutralität und Berechnung
5. Nicht jeden hohen Preis mit einem Zuschuss beantworten
Wenn etwas dauerhaft zu teuer wird, sollten wir wissen, warum.
Hohe Wohnkosten können durch Bodenpreise, Baukosten, Finanzierung, Standards und langsame Verfahren entstehen.
Energiepreise hängen von Erzeugung, Netzen, Steuern, Abgaben und der Organisation des Gesamtsystems ab.
Lebensmittelpreise entstehen entlang einer Kette von Landwirtschaft über Verarbeitung und Logistik bis zum Handel.
Mobilitätskosten unterscheiden sich massiv zwischen Stadt und Land.
Deshalb wollen wir Kostenketten untersuchen, bevor wir dauerhaft ihre Folgen subventionieren.
Das bedeutet nicht, Menschen notwendige Unterstützung vorzuenthalten.
Es bedeutet:
Wo Kosten strukturell zu hoch sind, wollen wir zuerst versuchen, ihre Ursache zu verändern.
→ Warum Wohnen teuer ist
→ Was Energie wirklich kostet
→ Lebensmittel: vom Erzeuger bis zur Kasse
→ Mobilitätskosten in Stadt und Land
6. Unterstützung dort geben, wo sie tatsächlich gebraucht wird
Ein bezahlbareres Leben ersetzt keinen Sozialstaat.
Krankheit, Arbeitslosigkeit, Alter, Behinderung, Alleinerziehung oder andere Lebenssituationen können dazu führen, dass eigenes Einkommen nicht ausreicht.
Dann muss eine solidarische Gesellschaft Sicherheit bieten.
Aber ein Sozialstaat sollte nicht immer größere Teile der Bevölkerung dauerhaft dafür entschädigen müssen, dass grundlegende Lebenshaltungskosten strukturell aus dem Ruder laufen.
Deshalb verbinden wir zwei Ansätze:
Kostenstrukturen verbessern, wo dies möglich ist.
Gezielt unterstützen, wo Einkommen trotzdem nicht ausreicht.
Soziale Sicherheit bleibt notwendig.
Sie soll aber nicht zum dauerhaften Reparaturbetrieb für Probleme werden, deren Ursachen an anderer Stelle liegen.
→ Soziale Sicherheit
→ Transfers und gezielte Unterstützung
7. Nicht gleiche Einkommen – sondern kleinere Abstände im wirklichen Leben
Gerechtigkeit bedeutet für uns nicht, dass alle gleich viel verdienen.
Menschen dürfen durch Qualifikation, Leistung, Verantwortung, Unternehmertum, Risiko und Erfolg unterschiedlich hohe Einkommen erzielen.
Aber wir sollten uns dafür interessieren, was diese Unterschiede im wirklichen Leben bedeuten.
Deshalb betrachten wir Einkommen vor und nach Steuern und Sozialabgaben – und anschließend die notwendigen Lebenshaltungskosten.
Dann fragen wir:
Wer erreicht nur die Grundlagen?
Wer kann zusätzlich teilhaben?
Wer erreicht ein Maß an Sicherheit?
Und wie groß ist danach der tatsächlich frei verfügbare Spielraum?
Politik darf diese Abstände verändern.
Sie muss sie nicht beseitigen.
Unser Ziel ist eine Gesellschaft, in der wirtschaftlicher Erfolg weiterhin belohnt wird, während normale Einkommen gleichzeitig ein eigenständiges Leben mit Teilhabe und Sicherheit ermöglichen.
→ Einkommensabstände vor und nach dem HUMA-Modell
→ Reale Lebensmöglichkeiten statt Einkommen allein
8. Familien und andere Haushalte nach ihren wirklichen Belastungen betrachten
Vier Menschen leben nicht von viermal demselben Warenkorb.
Familien benötigen größere Wohnungen, mehr Lebensmittel, Kleidung und Mobilität. Kinder verursachen zusätzliche Kosten und verändern gleichzeitig die Möglichkeiten der Eltern, Erwerbsarbeit zu leisten.
Alleinerziehende stehen wiederum vor anderen Herausforderungen.
Deshalb prüfen wir politische Maßnahmen anhand verschiedener Haushaltstypen.
Ein wichtiger HUMA-Praxistest bleibt dabei die vierköpfige Familie.
Nicht weil andere Lebensformen weniger wichtig wären.
Sondern weil an ihr besonders deutlich sichtbar wird, wie Einkommen, Steuern, Sozialabgaben, Wohnen, Betreuung, Mobilität und Lebenshaltungskosten gleichzeitig wirken.
→ Der HUMA-Familien-Warenkorb
→ Belastungsvergleich verschiedener Haushaltstypen
9. Bezahlbarkeit darf nicht auf Kosten der Zukunft entstehen
Billig ist nicht automatisch günstig.
Ein Produkt kann heute wenig kosten und trotzdem hohe Folgekosten verursachen – durch Umweltbelastungen, schlechte Reparierbarkeit, hohen Ressourcenverbrauch oder spätere Entsorgung.
Diese Kosten verschwinden nicht.
Sie werden nur von jemand anderem oder zu einem späteren Zeitpunkt bezahlt.
Deshalb verbinden wir Bezahlbarkeit mit dem HUMA-Vollkostenprinzip.
Grundversorgung muss bezahlbar bleiben.
Gleichzeitig sollten langlebige, reparierbare, ressourcenschonende und regenerative Lösungen gegenüber verschwenderischen Strukturen nicht systematisch benachteiligt werden.
Wir wollen das Leben heute nicht dadurch billiger machen, dass wir die Rechnung morgen bezahlen.
→ Das HUMA-Vollkostenprinzip
→ Haltbarkeit, Reparierbarkeit und Kreislaufwirtschaft
Was soll sich im Alltag verändern?
Unsere Politik wäre gescheitert, wenn am Ende zwar Steuerquoten, Transferbudgets und Wirtschaftskennzahlen anders aussehen, die Menschen davon aber kaum etwas bemerken.
Deshalb betrachten wir den Alltag.
Ein Mensch mit normalem Erwerbseinkommen sollte nicht jeden Monat bei null beginnen müssen.
Eine Familie sollte nach Wohnen, Lebensmitteln, Energie und Mobilität noch am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können.
Kinder sollten nicht deshalb regelmäßig außen vor bleiben, weil nach den notwendigen Haushaltsausgaben nichts mehr übrig ist.
Eine unerwartete Reparatur sollte einen normalen Haushalt nicht sofort in Schulden treiben.
Und wer mehr arbeitet oder beruflich vorankommt, sollte tatsächlich mehr Möglichkeiten gewinnen.
Unser Maßstab
Wir unterscheiden deshalb drei Schwellen:
Grundlagen
Es reicht bis zum Monatsende.
Teilhabe
Ich kann am normalen gesellschaftlichen Leben teilnehmen.
Sicherheit
Eine unerwartete Ausgabe wird nicht sofort zur Krise.
Und erst was darüber hinausgeht, schafft größeren frei verfügbaren Wohlstand.
Damit können wir politische Reformen an einer einfachen Frage messen:
Verbessern sie nur statistische Einkommen – oder verbessern sie tatsächlich die Lebensmöglichkeiten der Menschen?
Der HUMA-Bezahlbarkeitscheck
Bei größeren Reformen wollen wir deshalb prüfen:
Was passiert mit dem verfügbaren Einkommen?
Was passiert mit den notwendigen Lebenshaltungskosten?
Welche Haushalte erreichen nur die Grundlagen?
Welche erreichen Teilhabe?
Welche erreichen Sicherheit?
Lohnt sich zusätzliche Arbeit?
Wie verändern sich die Abstände der realen Lebensmöglichkeiten?
Und werden Kosten tatsächlich reduziert – oder nur auf Staat, Umwelt oder kommende Generationen verschoben?
Noch tiefer einsteigen
Diese Seite beschreibt, was wir verändern wollen.
Auf den nächsten Ebenen zeigen wir, wie wir zu diesen Vorschlägen kommen.
Die HUMA-Warenkörbe
Konkrete Beträge für Grundlagen, Teilhabe und Sicherheit bei unterschiedlichen Haushaltstypen.
Einkommen & Belastung
Nettoeinkommen, Steuern, Sozialabgaben und Erwerbsanreize.
Kostenketten
Wohnen, Lebensmittel, Energie und Mobilität.
Grundversorgung & Umsatzsteuer
Welche Güter wir entlasten wollen und wie Aufkommensneutralität erreicht werden kann.
Verteilungswirkung
Wie sich reale Lebensmöglichkeiten unterschiedlicher Einkommen verändern.
HUMA-Werkstatt
Daten · Modellannahmen · Berechnungen · Varianten · Gegenargumente · Stresstests · Quellen.
Bezahlbarkeit bedeutet für HUMA nicht, alles billig zu machen.
Bezahlbarkeit bedeutet, dass ein normales Einkommen nicht nur bis zum Monatsende reicht, sondern Teilhabe und ein Mindestmaß an Sicherheit ermöglicht.
04 · Soziale Sicherheit
Sicherheit soll Menschen wieder auf die eigenen Beine helfen.
Jeder Mensch kann in eine Situation geraten, in der er Unterstützung braucht.
Krankheit, Arbeitslosigkeit, Alter, Pflege, eine Trennung oder schwierige Startbedingungen können ein Leben innerhalb kurzer Zeit verändern.
Eine solidarische Gesellschaft lässt Menschen dann nicht fallen.
Aber soziale Sicherheit bedeutet für uns mehr als Geld zu überweisen.
Wo Menschen wieder selbstständig werden können, müssen wir ihnen dabei helfen. Wo das nicht oder nicht mehr möglich ist, muss die Gemeinschaft verlässlich schützen.
Unser Ziel ist deshalb ein Sozialstaat, der drei Dinge miteinander verbindet:
Sicherheit. Befähigung. Eigenständigkeit.
Unser Weg:
1. Sicherheit muss verlässlich sein
Wer wirklich Hilfe braucht, soll nicht um seine Existenz fürchten müssen.
Soziale Sicherung ist kein Zeichen gesellschaftlicher Schwäche.
Sie ermöglicht Menschen überhaupt erst, Risiken einzugehen, einen Arbeitsplatz zu wechseln, eine Ausbildung zu beginnen, eine Familie zu gründen oder nach einem Rückschlag wieder neu anzufangen.
Aber Sicherheit braucht klare Regeln.
Wer Anspruch auf Unterstützung hat, muss wissen, worauf er sich verlassen kann.
Und die Gesellschaft muss wissen, wofür sie Verantwortung übernimmt.
Ein guter Sozialstaat gibt Sicherheit, ohne Menschen dauerhaft in Unsicherheit oder Abhängigkeit zu verwalten.
→ Was soziale Sicherheit für HUMA bedeutet
2. Befähigung beginnt vor der Geldleistung
Manche Probleme lassen sich mit Geld lindern. Andere nicht lösen.
Wenn jemand keine ausreichende Qualifikation besitzt, Kinderbetreuung fehlt, gesundheitliche Einschränkungen bestehen, Schulden jede Perspektive blockieren oder Sprache den Zugang zum Arbeitsmarkt verhindert, reicht eine monatliche Zahlung allein häufig nicht.
Deshalb wollen wir genauer fragen:
Was verhindert Eigenständigkeit?
Dann muss Unterstützung dort ansetzen.
Das kann Weiterbildung sein.
Kinderbetreuung.
Sprachförderung.
Gesundheitliche Stabilisierung.
Schuldnerberatung.
Berufsorientierung.
Oder intensive persönliche Begleitung.
Nicht die Leistung steht zuerst im Mittelpunkt, sondern das Hindernis, das überwunden werden muss.
→ Das HUMA-Befähigungsprinzip
→ Begleitung, Qualifikation und Arbeitsmarkt
3. Wer wieder selbstständig werden kann, soll eine echte Chance darauf bekommen
Fordern ohne Befähigung funktioniert genauso wenig wie Fördern ohne Erwartung.
Wer arbeiten kann und Unterstützung erhält, darf erwarten, dass die Gesellschaft ihm echte Möglichkeiten eröffnet.
Dazu gehören Qualifikation, erreichbare Betreuung, Beratung und passende Arbeitsangebote.
Die Gesellschaft darf im Gegenzug erwarten, dass diese Möglichkeiten ernsthaft genutzt werden.
Deshalb gehören bei HUMA Rechte und Pflichten zusammen.
Nicht als Misstrauensprinzip.
Sondern als gegenseitige Verantwortung.
Die Gemeinschaft gibt Unterstützung und Möglichkeiten. Wer sie nutzen kann, übernimmt Verantwortung für den eigenen Weg.
→ Rechte, Pflichten und Eigenverantwortung
4. Arbeit muss immer einen spürbaren Unterschied machen
Der Übergang von Unterstützung zu eigenem Einkommen darf keine finanzielle Sackgasse sein.
Wenn zusätzlich verdientes Geld durch Abgaben und gleichzeitig wegfallende Leistungen weitgehend wieder verschwindet, entstehen falsche Anreize.
Deshalb dürfen Steuer-, Sozial- und Transfersystem nicht getrennt voneinander betrachtet werden.
Mit jedem Schritt in Richtung Eigenständigkeit muss sich das verfügbare Einkommen nachvollziehbar verbessern.
Das gilt für den Einstieg in Arbeit genauso wie für zusätzliche Stunden, Weiterbildung und beruflichen Aufstieg.
Unser Grundsatz: Jeder Fortschritt muss sich lohnen.
→ Transferentzugsraten und Erwerbsanreize
→ Einkommen vor und nach Arbeitsaufnahme
5. Nicht zehn Hilfen für ein Problem
Ein kompliziertes Sozialsystem ist nicht automatisch ein gerechtes Sozialsystem.
Menschen können heute gleichzeitig mit unterschiedlichen Leistungen, Zuständigkeiten und Behörden konfrontiert sein.
Dabei entstehen Verwaltungsaufwand, Informationsprobleme und teilweise schwer nachvollziehbare Wechselwirkungen.
Wir wollen deshalb prüfen, welche Leistungen zusammengeführt, automatisiert oder vereinfacht werden können.
Das Ziel ist nicht, notwendige Unterstützung zu streichen.
Das Ziel ist:
weniger parallele Systeme, klarere Ansprüche und mehr Zeit für die Menschen, die tatsächlich Unterstützung benötigen.
Wo der Staat bereits über notwendige Informationen verfügt, sollten Leistungen möglichst ohne immer neue Anträge zugänglich werden können.
→ HUMA-Transfercheck
→ Welche Leistungen lassen sich vereinfachen?
6. Kinder dürfen nicht für die Situation ihrer Eltern bezahlen
Deshalb verdient Kinderarmut besondere Aufmerksamkeit.
Finanzielle Unterstützung kann notwendig sein.
Aber entscheidend sind auch Kita, Schule, Ernährung, Gesundheit, Freizeitmöglichkeiten, digitale Teilhabe und ein stabiles Umfeld.
Gerade bei Familien mit großen Schwierigkeiten wollen wir deshalb nicht nur auf das Haushaltskonto schauen.
Wir wollen prüfen, was beim Kind tatsächlich ankommt.
Frühzeitige Unterstützung kann verhindern, dass Nachteile über Generationen weitergegeben werden.
Sozialpolitik für Kinder ist immer auch Bildungs-, Gesundheits- und Zukunftspolitik.
→ Kinder, Familien und Teilhabe
→ Frühe Unterstützung statt später Reparatur
7. Lebensleistung anerkennen
Ein Sozialstaat sollte unterscheiden können zwischen unterschiedlichen Lebenswegen.
Wer jahrzehntelang gearbeitet, Kinder erzogen, Angehörige gepflegt oder auf andere Weise Verantwortung übernommen hat, hat einen Beitrag zur Gesellschaft geleistet, der sich nicht immer vollständig auf einem Rentenkonto abbildet.
Deshalb wollen wir Lebensleistung stärker berücksichtigen.
Nicht um Menschen gegeneinander auszuspielen.
Sondern um anzuerkennen, dass gesellschaftlicher Beitrag mehr sein kann als die Summe eingezahlter Beiträge.
→ Die HUMA-Lebensleistungsmatrix
→ Arbeit · Erziehung · Pflege · gesellschaftlicher Beitrag
8. Die Rentenversicherung an veränderte Lebensläufe anpassen
Unsere gesetzliche Rentenversicherung bleibt die zentrale Grundlage der Alterssicherung.
Aber Demografie, längere Lebenserwartung und unterschiedliche Erwerbsbiografien stellen sie vor neue Herausforderungen.
Die Diskussion darüber darf sich nicht nur auf drei Möglichkeiten beschränken:
Beiträge erhöhen.
Renten kürzen.
Oder das Rentenalter für alle weiter anheben.
Wir wollen deshalb mehrere Fragen gemeinsam betrachten:
Wie lange hat ein Mensch tatsächlich gearbeitet?
Welche Erziehungs- und Pflegezeiten gehören zu seiner Lebensleistung?
Wie belastend war seine Erwerbsbiografie?
Wie lange kann er gesund arbeiten?
Wie können flexible Übergänge zwischen Arbeit und Rente aussehen?
Und wie kann die Finanzierung langfristig stabil bleiben?
Wer sehr jung in einen körperlich belastenden Beruf einsteigt, hat eine andere Erwerbsbiografie als jemand, der nach längerer Ausbildung später in das Berufsleben beginnt.
Gleichzeitig sollen Menschen, die länger arbeiten können und möchten, dies auch flexibel tun können.
Unser Ziel ist deshalb kein völlig neues Rentensystem, sondern eine Weiterentwicklung der gesetzlichen Rentenversicherung, die Lebensleistung, Arbeitsfähigkeit, Demografie und Finanzierung besser miteinander verbindet.
→ HUMA-Rentenreform
→ Lebensarbeitszeit und flexible Rentenübergänge
9. Wenn die eigene Rente nicht reicht, muss die Gemeinschaft absichern
Ein langes Leben darf nicht mit dauerhafter Existenzangst enden.
Unsere Rentenversicherung bleibt die zentrale Absicherung für das Alter.
Aber wo Renteneinkommen und eigene Mittel für ein angemessenes Leben nicht ausreichen, braucht es eine ergänzende Absicherung.
Die bisherige Grundsicherung im Alter wollen wir deshalb zu einer bedarfsgeprüften HUMA-Basissicherung im Alter weiterentwickeln.
Dabei haben unsere bisherigen Untersuchungen zugleich gezeigt:
Ein Niveau, das lediglich ungefähr die heutige Grundsicherung einschließlich angemessener Wohnkosten abbildet, reicht für unser Verständnis eines sicheren Lebens möglicherweise nicht aus.
Die endgültige Höhe muss deshalb anhand unserer Warenkörbe für Grundlagen, Teilhabe und Sicherheit überprüft werden.
Die Leistung soll nicht pauschal an alle Rentner ausgezahlt werden.
Sie greift dort, wo eigene Alterseinkommen und verfügbare Mittel nicht ausreichen.
→ HUMA-Basissicherung im Alter
→ Was braucht ein angemessenes Leben im Alter?
→ Grundlagen · Teilhabe · Sicherheit
10. Soziale Sicherung muss langfristig finanzierbar bleiben
Ein Versprechen ist keine Sicherheit, wenn niemand weiß, wer es morgen bezahlen soll.
Demografie, steigende Gesundheits- und Pflegekosten sowie Veränderungen der Arbeitswelt setzen unsere Sozialversicherungen unter Druck.
Deshalb gehört zur sozialen Sicherheit auch eine stabile Finanzierung.
Wir wollen die Finanzierung breiter aufstellen, Kostenstrukturen reformieren und Produktivitätsfortschritt stärker einbeziehen.
Dabei gilt:
Leistungskürzungen dürfen nicht die automatische Antwort auf Finanzierungsprobleme sein.
Aber ebenso wenig können wir Leistungen versprechen, deren Finanzierung dauerhaft ungeklärt bleibt.
Soziale Sicherheit braucht Solidarität – und wirtschaftliche Tragfähigkeit.
→ Finanzierung der Sozialversicherungen
→ Produktivitätsbeitrag und demografischer Wandel
11. Unterstützung muss wieder näher am Menschen organisiert werden
Wer Hilfe braucht, sollte nicht selbst zum Koordinator eines komplizierten Systems werden.
Gerade Menschen mit mehreren Problemen gleichzeitig benötigen häufig Leistungen unterschiedlicher Stellen.
Arbeitsmarkt.
Jugendhilfe.
Gesundheit.
Wohnen.
Schulden.
Qualifikation.
Statt Menschen von Institution zu Institution zu schicken, wollen wir stärker mit einem verantwortlichen Ansprechpartner und einem gemeinsamen Unterstützungsweg arbeiten.
Digitale Systeme können Verwaltung vereinfachen.
Aber schwierige Lebenssituationen brauchen häufig einen Menschen, der zuhört, Zusammenhänge erkennt und Verantwortung übernimmt.
Digitalisieren, was Routine ist. Persönlich begleiten, was komplex ist.
→ Sozialverwaltung aus einer Hand
→ Fallbegleitung und Befähigungsplan
12. Was wir noch nicht entschieden haben
Grundsicherung bei Erwerbslosigkeit
An dieser Stelle wollen wir bewusst keine fertige HUMA-Lösung behaupten.
Die zukünftige Höhe und genaue Ausgestaltung einer Grundsicherung bei Erwerbslosigkeit haben wir noch nicht abschließend entwickelt.
Bevor wir darüber entscheiden, wollen wir mehrere Fragen beantworten:
Welches Niveau muss mindestens die Grundlagen sichern?
Welche Rolle spielen Teilhabe und Sicherheit während längerer Erwerbslosigkeit?
Wie berücksichtigen wir Wohnkosten und unterschiedliche Haushaltstypen?
Wie schnell sollen Leistungen mit eigenem Einkommen zurückgehen?
Welche Pflichten sind zumutbar?
Welche Unterstützung muss der Staat im Gegenzug tatsächlich anbieten?
Wie verhindern wir Missbrauch, ohne jeden Hilfesuchenden unter Generalverdacht zu stellen?
Wie vermeiden wir, dass Arbeit finanziell kaum attraktiver ist als dauerhafter Leistungsbezug?
Erst wenn diese Fragen zusammen beantwortet sind, entsteht ein konsistentes Modell.
Eine offene Frage ist ehrlicher als eine einfache Antwort auf ein kompliziertes Problem.
→ HUMA-Werkstatt: Grundsicherung bei Erwerbslosigkeit
Was soll ein Mensch davon merken?
Ein Sozialstaat funktioniert nicht deshalb gut, weil er viele Leistungen anbietet.
Er funktioniert gut, wenn Menschen in schwierigen Situationen wieder Perspektive gewinnen.
Wer seinen Arbeitsplatz verliert, soll nicht zuerst Angst vor dem Absturz haben.
Er soll möglichst schnell wissen:
Was bekomme ich?
Wer hilft mir?
Was kann ich selbst tun?
Welche Qualifikation könnte mich weiterbringen?
Welche nächsten Schritte sind sinnvoll?
Wer dauerhaft Unterstützung benötigt, soll sich auf die Gemeinschaft verlassen können.
Wer wieder selbstständig werden kann, soll nicht jahrelang in einem System verwaltet werden.
Und wer einen Schritt nach vorne macht, muss davon etwas haben.
Der HUMA-Sozialcheck
Bei sozialen Leistungen fragen wir deshalb:
Schützt die Leistung vor existenzieller Not?
Ermöglicht sie gesellschaftliche Teilhabe?
Was verhindert momentan Eigenständigkeit?
Kann dieses Hindernis beseitigt werden?
Lohnt sich jeder Schritt in Richtung eigenes Einkommen?
Kommt Unterstützung tatsächlich beim Menschen an?
Ist die Leistung einfach zugänglich und verständlich?
Ist sie langfristig finanzierbar?
Und erkennen wir an, wenn Menschen dauerhaft Unterstützung benötigen?
Unser Ziel
Wir wollen keinen möglichst kleinen Sozialstaat.
Und auch keinen möglichst großen.
Wir wollen einen wirksamen Sozialstaat.
Einen Sozialstaat, der Menschen auffängt, wenn sie fallen.
Der ihnen hilft aufzustehen, wenn sie es können.
Der ihnen etwas abverlangt, wenn sie Verantwortung übernehmen können.
Und der sie verlässlich schützt, wenn sie dauerhaft auf Unterstützung angewiesen sind.
Soziale Sicherheit bedeutet für HUMA nicht nur, einen Absturz zu verhindern. Sie bedeutet, wieder einen Weg nach vorne zu ermöglichen.
Noch tiefer einsteigen
Befähigung
Was Menschen tatsächlich daran hindert, wieder eigenständig zu werden.
Transfersystem
Welche Leistungen zusammengeführt oder vereinfacht werden können.
Arbeit & Erwerbsanreize
Wie sich jeder Schritt in Richtung Arbeit finanziell lohnen kann.
Kinder & Familien
Wie Unterstützung tatsächlich beim Kind ankommt.
Lebensleistung
Wie Arbeit, Kindererziehung, Pflege und unterschiedliche Erwerbsbiografien berücksichtigt werden können.
Rentenreform
Wie Lebensarbeitszeit, Arbeitsfähigkeit, flexible Rentenübergänge, Demografie und Finanzierung zusammenspielen können.
Basissicherung im Alter
Wie Menschen bedarfsabhängig abgesichert werden, wenn Rente und eigene Mittel für ein angemessenes Leben nicht ausreichen.
Grundsicherung bei Erwerbslosigkeit – in Arbeit
Warenkorb · Leistungshöhe · Wohnen · Pflichten · Erwerbsanreize · Missbrauchsschutz.
Finanzierung
Demografie · Sozialversicherungen · Produktivitätsfortschritt.
HUMA-Werkstatt
Berechnungen · Varianten · internationale Beispiele · Gegenargumente · Praxistests · Stresstests · Quellen.
Noch tiefer einsteigen
Auf den nächsten beiden Ebenen vertiefen wir diese Fragen:
Ebene 3 · Ursachen, Zusammenhänge & Lösungswege
Warum entstehen die Probleme – und wie hängen soziale Sicherheit, Arbeitsmarkt, Gesundheit, Demografie und Alterssicherung zusammen?
Ebene 4 · Fakten, Zahlen & HUMA-Werkstatt
Deutschlanddaten · konkrete HUMA-Modelle · internationale Beispiele · Modellrechnungen · offene Fragen · Stresstests · Quellen.
03 · Staat & Verwaltung
Ein Staat, der Regeln macht, muss sie auch umsetzen können.
Deutschland fehlt es nicht an Gesetzen, Programmen, Fördermitteln und politischen Zielen.
Trotzdem erleben Bürger und Unternehmen immer wieder einen Staat, der bei der Umsetzung seiner eigenen Entscheidungen an Grenzen stößt: Verfahren dauern lange, Zuständigkeiten überschneiden sich, Daten werden mehrfach erhoben, Infrastrukturprojekte ziehen sich über Jahre und Verwaltungen kämpfen selbst mit Personalmangel und komplizierten Vorschriften.
Das beschädigt mehr als nur die Effizienz.
Es beschädigt Vertrauen.
Ein handlungsfähiger Staat muss nicht alles selbst machen.
Aber er muss entscheiden können, was seine Aufgabe ist – und diese Aufgabe dann zuverlässig erfüllen.
Unser Weg:
1. Nicht mehr Staat oder weniger Staat – sondern einen funktionierenden Staat
Die entscheidende Frage ist nicht, wie groß der Staat ist.
Die entscheidende Frage lautet:
Welche Aufgaben muss er übernehmen – und kann er sie gut erfüllen?
Bei Bildung, Sicherheit, Recht, grundlegender Infrastruktur oder sozialer Absicherung trägt der Staat besondere Verantwortung.
Andere Aufgaben können Unternehmen, soziale Organisationen, Genossenschaften oder Bürger häufig besser übernehmen.
Deshalb wollen wir staatliches Handeln nicht pauschal ausweiten oder zurückdrängen.
Unser Grundsatz lautet:
Das richtige Werkzeug für die richtige Aufgabe.
Was der Staat nicht selbst erledigen muss, muss er nicht selbst erledigen.
Was aber seine Aufgabe ist, muss funktionieren.
→ Welche Aufgaben gehören zum Staat?
→ Staat, Markt und gesellschaftliche Verantwortung
2. Regeln vereinfachen – ohne ihre Ziele aufzugeben
Eine gute Absicht macht noch keine gute Regel.
Umwelt-, Arbeits-, Verbraucher- und Sicherheitsstandards erfüllen wichtige Aufgaben.
Aber Vorschriften können sich über Jahrzehnte übereinanderlegen. Unterschiedliche Ebenen können dasselbe Problem unterschiedlich regeln. Dokumentationspflichten können entstehen, deren ursprünglicher Zweck kaum noch jemand erklären kann.
Deshalb wollen wir bestehende Regeln regelmäßig prüfen:
Welches Problem soll diese Regel lösen?
Erreicht sie dieses Ziel?
Welche Kosten und Nebenwirkungen verursacht sie?
Gibt es einen einfacheren Weg?
Wenn eine Regel notwendig ist, bleibt sie.
Wenn sie vereinfacht werden kann, wird sie vereinfacht.
Wenn sie ihren Zweck nicht mehr erfüllt, muss sie verschwinden.
Nicht möglichst wenige Regeln sind das Ziel – sondern möglichst gute Regeln.
→ Der HUMA-Regelcheck
→ Bürokratiekosten und Wirkung
3. Daten einmal erfassen – statt Bürger zum Datenträger des Staates zu machen
Der Staat sollte Informationen, die er bereits besitzt, nicht immer wieder neu verlangen.
Bürger und Unternehmen übermitteln heute dieselben oder ähnliche Angaben an unterschiedliche Behörden.
Eine moderne Verwaltung sollte Daten – innerhalb klarer Datenschutz- und Zugriffsregeln – dort wiederverwenden können, wo dies rechtlich zulässig und für ein Verfahren notwendig ist.
Unser Prinzip:
Einmal angeben – sinnvoll weiterverwenden.
Das bedeutet nicht, sämtliche staatlichen Datenbestände miteinander zu vermischen.
Es bedeutet klare Berechtigungen, nachvollziehbare Zugriffe und digitale Systeme, die miteinander kommunizieren können.
Digitalisierung soll nicht bedeuten, ein Papierformular als PDF ins Internet zu stellen.
Sie soll Verfahren verändern.
→ Digitale Verwaltung
→ Datenschutz und Once-Only-Prinzip
4. Verantwortung muss wieder einen Namen haben
Wo alle zuständig sind, ist am Ende häufig niemand verantwortlich.
Bund, Länder, Kommunen, Behörden und weitere Institutionen teilen sich bei vielen Aufgaben Zuständigkeiten.
Das kann sinnvoll sein.
Problematisch wird es, wenn Verantwortung so weit verteilt wird, dass Entscheidungen blockiert werden oder niemand mehr erklären kann, warum ein Verfahren nicht vorankommt.
Deshalb wollen wir für wichtige staatliche Aufgaben klarer definieren:
Wer entscheidet?
Wer setzt um?
Wer finanziert?
Wer kontrolliert?
Wer trägt Verantwortung, wenn das Ziel nicht erreicht wird?
Kooperation bleibt notwendig.
Aber Verantwortung darf sich darin nicht auflösen.
→ Zuständigkeiten von Kommune bis Europa
→ Verantwortung und Erfolgskontrolle
5. So dezentral wie möglich – so zentral wie nötig
Nicht jedes Problem braucht eine Lösung aus Berlin oder Brüssel.
Viele Aufgaben können Kommunen besser lösen, weil sie die örtlichen Bedingungen kennen.
Andere brauchen gemeinsame Standards auf Landes- oder Bundesebene.
Und manche Herausforderungen – etwa Außengrenzen, Handel oder Teile der Energie- und Sicherheitsinfrastruktur – können europäisch sinnvoller gelöst werden.
Deshalb entscheidet HUMA nicht zuerst nach politischer Ebene, sondern nach Aufgabe.
Die Entscheidung gehört möglichst nah zu den Menschen – aber auf eine Ebene, die das Problem tatsächlich lösen kann.
Dabei brauchen Kommunen ausreichend finanzielle und organisatorische Möglichkeiten, um die Aufgaben zu erfüllen, die ihnen übertragen werden.
→ Starke Kommunen
→ Subsidiarität: Kommune · Land · Bund · Europa
6. Standardisieren, was nicht jedes Mal neu erfunden werden muss
Eine Schule ist kein Einzelkunstwerk. Eine Kita auch nicht.
Deutschland plant viele öffentliche Gebäude und Beschaffungen immer wieder nahezu von vorne.
Dabei zeigen andere Wirtschaftsbereiche, wie leistungsfähig Standardisierung sein kann.
Lebensmittelmärkte, Logistikzentren oder Produktionsstätten werden teilweise mit standardisierten Bausteinen geplant und innerhalb kurzer Zeit errichtet.
Warum sollten wir dieses Prinzip nicht stärker für Schulen, Kitas, Pflegeeinrichtungen, Verwaltungsgebäude oder andere öffentliche Infrastruktur nutzen?
Standardisierung bedeutet nicht, überall dasselbe Gebäude hinzustellen.
Sie bedeutet:
bewährte Grundmodule, geprüfte Technik, standardisierte Ausschreibungen und wiederverwendbare Planung.
An lokale Bedingungen angepasst werden kann weiterhin.
Aber wir müssen nicht jedes Rad neu erfinden.
→ Standardisierte öffentliche Gebäude
→ Schule, Kita und Pflegeheim als Baukastensystem
7. Öffentliche Beschaffung vom Ergebnis her denken
Der billigste Einkauf ist nicht immer die günstigste Lösung.
Ein Produkt kann bei der Anschaffung billig sein und durch kurze Lebensdauer, hohe Wartungskosten oder schlechte Reparierbarkeit langfristig teuer werden.
Deshalb sollte der Staat stärker die Kosten über die gesamte Nutzungsdauer betrachten.
Das gilt für Fahrzeuge, IT, Gebäude, Technik und viele andere Beschaffungen.
Dabei wollen wir Verfahren gleichzeitig vereinfachen und standardisieren.
Wo Produkte und Leistungen regelmäßig benötigt werden, müssen nicht tausende öffentliche Stellen immer wieder dieselben Prüfungen durchführen.
Preis, Qualität, Haltbarkeit, Reparierbarkeit und Folgekosten gehören zusammen.
→ Vollkostenprinzip in der öffentlichen Beschaffung
→ Standardisierung und Lebenszykluskosten
8. Staatliche Ausgaben sichtbar nach ihrer Funktion unterscheiden
Eine Milliarde Euro ist nicht automatisch eine Investition, nur weil der Staat sie ausgibt.
Deshalb wollen wir öffentliche Ausgaben transparenter danach unterscheiden, welchem Zweck sie dienen:
Reparatur
Was müssen wir bezahlen, weil ein Problem bereits entstanden ist?
Erhaltung
Was kostet es, bestehende Infrastruktur und funktionierende Systeme dauerhaft funktionsfähig zu halten?
Zukunft
Wo investieren wir heute, damit Probleme morgen gar nicht erst entstehen oder neue Möglichkeiten geschaffen werden?
Diese Unterscheidung soll politische Prioritäten sichtbar machen.
Ein Staat, der immer größere Summen für Reparatur ausgeben muss, hat irgendwann immer weniger Spielraum für Zukunft.
→ Die HUMA-Ausgabenmatrix
→ Reparatur · Erhaltung · Zukunft
9. Nicht nur Geld beschließen – Umsetzung messen
Ein beschlossenes Milliardenprogramm ist noch kein Ergebnis.
Politik misst Erfolg häufig daran, wie viel Geld bereitgestellt wurde.
Uns interessiert stärker, was damit erreicht wurde.
Deshalb sollen größere Programme bereits beim Start klare Ziele und Messgrößen bekommen.
Zum Beispiel:
Wie viel schneller sollen Genehmigungen werden?
Wie viele Verwaltungsleistungen sollen vollständig digital funktionieren?
Wie verändern sich Bauzeiten?
Wie entwickeln sich Kosten?
Welche Wirkung wurde tatsächlich erreicht?
Nach festgelegten Zeiträumen wird überprüft.
Funktioniert die Maßnahme, wird sie weitergeführt oder ausgebaut.
Funktioniert sie nicht, wird sie verändert oder beendet.
Unser Grundsatz:
Erst analysieren. Dann handeln. Wirkung prüfen.
→ Der HUMA-Wirkungscheck
10. Verwaltung entlasten, statt nur mehr Personal zu fordern
Auch der Staat wird den demografischen Wandel spüren.
Wenn Fachkräfte knapper werden, kann die Antwort nicht bei jeder neuen Aufgabe ausschließlich lauten: mehr Personal.
Routinevorgänge müssen automatisiert, Verfahren standardisiert und unnötige Arbeit beseitigt werden.
KI und digitale Assistenzsysteme können Verwaltungsmitarbeiter bei Recherche, Dokumentation, Prüfung und Kommunikation unterstützen.
Die gewonnene Zeit sollte dort eingesetzt werden, wo Menschen tatsächlich gebraucht werden:
bei komplexen Entscheidungen, Beratung, Kontrolle und direktem Kontakt mit Bürgern.
Technik soll Verwaltung nicht menschlicher ersetzen – sondern Menschen von vermeidbarer Verwaltungsarbeit entlasten.
→ KI und Automatisierung im Staat
→ Personalbedarf der Verwaltung
Was sollen Bürger und Unternehmen davon merken?
Eine Verwaltungsreform ist nicht erfolgreich, weil eine neue Software eingeführt wurde.
Sie ist erfolgreich, wenn Menschen den Unterschied erleben.
Ein Bürger soll nicht herausfinden müssen, welche von fünf Behörden zuständig ist.
Ein Unternehmen soll notwendige Daten möglichst nur einmal übermitteln.
Ein Bauantrag soll einen nachvollziehbaren Bearbeitungsstand besitzen.
Eine Kommune soll wissen, welche Aufgabe sie erfüllen muss – und dafür die notwendigen Mittel erhalten.
Eine Schule oder Kita soll nicht jahrelang geplant werden müssen, wenn ein bewährtes Konzept bereits existiert.
Und wer eine staatliche Entscheidung erhält, soll verstehen können, wer sie getroffen hat und warum.
Unser Ziel: ein Staat, dem man wieder etwas zutraut
Vertrauen in den Staat entsteht nicht durch Werbekampagnen.
Es entsteht durch Erfahrung.
Wenn ein Zug fährt.
Wenn eine Brücke funktioniert.
Wenn ein Antrag bearbeitet wird.
Wenn eine Schule gebaut wird.
Wenn eine Behörde erreichbar ist.
Wenn Regeln verständlich sind.
Wenn Entscheidungen umgesetzt werden.
Und wenn der Staat einen Fehler erkennt und korrigiert.
Ein handlungsfähiger Staat verspricht nicht, jedes Problem zu lösen. Aber bei den Aufgaben, die er übernimmt, muss man sich auf ihn verlassen können.
Der HUMA-Staatscheck
Bei staatlichen Aufgaben fragen wir deshalb:
Muss der Staat diese Aufgabe überhaupt übernehmen?
Welche politische Ebene kann sie am besten lösen?
Ist klar, wer verantwortlich ist?
Kann das Verfahren einfacher werden?
Kann es standardisiert oder automatisiert werden?
Welche Ressourcen werden benötigt?
Woran messen wir Erfolg?
Und was passiert, wenn die Maßnahme nicht funktioniert?
Noch tiefer einsteigen
Diese Seite beschreibt, wie wir einen handlungsfähigeren Staat erreichen wollen.
Auf den nächsten Ebenen gehen wir tiefer:
Aufgaben des Staates
Wo Staat notwendig ist – und wo Markt oder Gesellschaft besser funktionieren.
Verwaltungsarchitektur
Zuständigkeiten, Digitalisierung, Daten und Verfahren.
Starke Kommunen
Aufgaben, Finanzierung und Handlungsspielräume vor Ort.
Planen & Bauen
Genehmigungen, Standards und modulare öffentliche Gebäude.
Öffentliche Finanzen
Reparatur · Erhaltung · Zukunft.
Wirkungskontrolle
Ziele, Kennzahlen und regelmäßige Überprüfung.
Was bereits funktioniert
Beispiele aus Deutschland, Europa und anderen Staaten.
HUMA-Werkstatt
Daten · Kosten · Reformvarianten · internationale Vergleiche · Praxistests · Stresstests · Quellen.
Wir brauchen nicht für jedes Problem einen größeren Staat.
Wir brauchen einen Staat, der seine Aufgaben kennt – und sie beherrscht.
05 · Gesundheit & Pflege
Mehr Geld allein macht kein gesundes System.
Deutschland verfügt über Ärzte, Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, moderne Medizin und eines der teuersten Gesundheitssysteme der Welt.
Trotzdem erleben Patienten lange Wartezeiten, komplizierte Wege und fehlende Ansprechpartner. Beschäftigte arbeiten unter hohem Druck. Krankenhäuser kämpfen mit Finanzierung und Personal. Pflegebedürftige und Angehörige stoßen zunehmend an ihre Grenzen.
Das Problem ist deshalb nicht nur, wie viel Geld wir ausgeben.
Die entscheidende Frage ist:
Wie gut wird aus diesem Geld Gesundheit, Versorgung und Pflege?
Wir wollen das System deshalb nicht zuerst aus Sicht seiner Institutionen betrachten.
Wir beginnen beim Menschen.
Vom ersten gesundheitlichen Problem über Diagnose und Behandlung bis zu Rehabilitation, Pflege und Prävention muss ein verständlicher Versorgungsweg entstehen.
Unser Weg:
1. Gesundheit beginnt, bevor jemand Patient wird
Die beste Behandlung ist die, die möglichst gar nicht notwendig wird.
Ein großer Teil der Gesundheitsausgaben entsteht durch chronische Erkrankungen und gesundheitliche Probleme, deren Verlauf zumindest teilweise beeinflussbar ist.
Bewegung, Ernährung, Suchtprävention, psychische Gesundheit, Vorsorge und frühe Diagnostik können Krankheiten verhindern oder ihren Verlauf verbessern.
Prävention darf deshalb nicht das kleine Zusatzprogramm eines Systems sein, das ansonsten fast ausschließlich Krankheit behandelt.
Wir wollen Gesundheit stärker fördern, bevor hohe Behandlungskosten entstehen und Lebensqualität verloren geht.
Dabei geht es nicht darum, Krankheit zur persönlichen Schuld zu erklären.
Lebensbedingungen, Arbeitswelt, Bildung, Umwelt und soziale Lage beeinflussen Gesundheit erheblich.
→ HUMA-Präventionsstrategie
→ Gesundheit, Lebensbedingungen und Eigenverantwortung
2. Ein klarer erster Ansprechpartner statt Suche im System
Wer krank ist, sollte nicht selbst herausfinden müssen, welche Stelle im Gesundheitssystem zuständig ist.
Viele Patienten suchen direkt Fachärzte, Notaufnahmen oder unterschiedliche Praxen auf, weil ein klarer Versorgungsweg fehlt oder Termine anders kaum erreichbar erscheinen.
Wir wollen deshalb die Primärversorgung stärken.
Hausärzte und geeignete Primärversorgungszentren sollen häufiger die erste medizinische Anlaufstelle sein, den Behandlungsweg koordinieren und Patienten gezielt weiterleiten.
Andere Gesundheitsberufe können dabei mehr Verantwortung übernehmen.
Das Ziel:
Der Patient sucht nicht den richtigen Weg durch das System – das System organisiert den richtigen Weg für den Patienten.
→ Primärversorgung und Patientensteuerung
→ Internationale Modelle
3. Die richtige Behandlung am richtigen Ort
Nicht jede Erkrankung braucht einen Facharzt. Nicht jeder Facharztbesuch ein Krankenhaus. Und nicht jeder Krankenhausfall ein großes Maximalversorgungszentrum.
Medizinische Versorgung sollte dort stattfinden, wo sie qualitativ gut und wirtschaftlich sinnvoll erbracht werden kann.
Das bedeutet eine klarere Arbeitsteilung zwischen:
Primärversorgung,
Fachärzten,
ambulanten Zentren,
Krankenhäusern,
spezialisierten Kliniken,
Rehabilitation
und Pflege.
Komplexe Behandlungen können stärker konzentriert werden, wenn dadurch Erfahrung und Qualität steigen.
Gleichzeitig muss eine wohnortnahe Grund- und Notfallversorgung erhalten bleiben.
Nicht möglichst viele Einrichtungen sind das Ziel – sondern die richtige Versorgung am richtigen Ort.
→ Ambulant oder stationär?
→ Krankenhausstruktur und Spezialisierung
4. Krankenhäuser nach Versorgung planen – nicht nach bestehenden Strukturen
Ein Krankenhaus ist kein Selbstzweck. Aber eine erreichbare medizinische Versorgung ist es.
Deshalb wollen wir die Krankenhausplanung stärker danach ausrichten, welche Versorgung eine Region tatsächlich benötigt.
Nicht jedes Krankenhaus muss jede Behandlung anbieten.
Komplexe Eingriffe können dort konzentriert werden, wo Teams ausreichend Erfahrung besitzen und notwendige Technik dauerhaft verfügbar ist.
Gleichzeitig brauchen ländliche Regionen verlässliche Notfallversorgung und erreichbare Grundversorgung.
Kleinere Standorte können neue Rollen übernehmen – etwa als regionale Gesundheitszentren mit ambulanter Versorgung, Diagnostik, Kurzzeitbehandlung und Pflegeangeboten.
Struktur erhalten, nur weil sie existiert, ist keine Gesundheitsstrategie.
→ Krankenhausreform aus Patientensicht
→ Stadt und ländlicher Raum
5. Pflege darf nicht erst beginnen, wenn Familien zusammenbrechen
Pflegebedürftigkeit betrifft selten nur einen Menschen.
Sie betrifft Partner, Kinder, Angehörige und häufig deren berufliches und privates Leben.
Deshalb brauchen wir eine Pflegearchitektur, die früher unterstützt.
Ambulante Angebote, Tagespflege, Kurzzeitpflege, wohnortnahe Pflegeformen, altersgerechte Wohnungen und Unterstützung pflegender Angehöriger müssen besser zusammenspielen.
Stationäre Pflege bleibt notwendig.
Sie sollte aber nicht deshalb zur einzigen Lösung werden, weil vorher andere Angebote fehlen.
Unser Ziel lautet:
So viel Selbstständigkeit wie möglich. So viel Unterstützung wie nötig.
→ HUMA-Pflegemodell
→ Pflege zu Hause · Quartier · stationäre Pflege
6. Gesundheitsberufe von unnötiger Arbeit entlasten
Ein Arzt sollte möglichst viel Zeit Arzt sein können. Eine Pflegekraft möglichst viel Zeit Pflegekraft.
Dokumentation und Verwaltung sind notwendig.
Aber hochqualifizierte Fachkräfte sollten nicht große Teile ihrer Arbeitszeit für Tätigkeiten verwenden, die standardisiert, delegiert oder automatisiert werden können.
Deshalb wollen wir Aufgaben neu verteilen.
Pflegekräfte, medizinische Fachangestellte, Therapeuten und andere Gesundheitsberufe können innerhalb klarer Qualifikationsgrenzen mehr Verantwortung übernehmen.
Digitale Assistenz und KI können Dokumentation, Terminorganisation und Routineaufgaben unterstützen.
Nicht jede Aufgabe braucht die höchstqualifizierte und knappste Fachkraft.
→ Neue Aufgabenverteilung im Gesundheitswesen
→ Digitalisierung und KI
7. Gesundheitsdaten sollen dem Patienten folgen
Menschen sollten ihre medizinische Geschichte nicht bei jedem Arztbesuch neu erzählen müssen.
Diagnosen, Medikamente, relevante Befunde und Untersuchungsergebnisse müssen – mit klaren Datenschutz- und Zugriffsregeln – dort verfügbar sein, wo sie für die Behandlung benötigt werden.
Das kann Doppeluntersuchungen vermeiden, Wechselwirkungen von Medikamenten reduzieren und Behandlungsentscheidungen verbessern.
Dabei muss nachvollziehbar bleiben:
Wer darf welche Daten sehen?
Wer hat darauf zugegriffen?
Wofür dürfen sie verwendet werden?
Digitalisierung darf kein Selbstzweck sein.
Sie ist erfolgreich, wenn Behandlung dadurch einfacher, sicherer oder besser wird.
→ Digitale Patientenakte und Datenschutz
→ Daten statt Doppeluntersuchungen
8. Qualität und Gesundheit belohnen – nicht möglichst viele Leistungen
Ein Gesundheitssystem setzt Anreize.
Wenn Finanzierung hauptsächlich daran hängt, wie viele einzelne Leistungen erbracht werden, kann mehr Behandlung wirtschaftlich attraktiver sein als gute Koordination oder vermiedene Behandlung.
Wir wollen deshalb stärker untersuchen, wie Finanzierung an Versorgungsqualität, sinnvolle Behandlungspfade und gesundheitliche Ergebnisse gekoppelt werden kann.
Dabei muss verhindert werden, dass notwendige Leistungen aus Kostengründen unterbleiben.
Das Ziel ist nicht:
möglichst wenig Medizin.
Sondern:
so viel Medizin wie notwendig – so sinnvoll wie möglich.
→ Fehlanreize im Gesundheitssystem
→ Finanzierung nach Versorgungsqualität
9. Medikamente und Hilfsmittel gemeinsam stärker beschaffen
Große Systeme sollten ihre Größe dort nutzen, wo sie Vorteile schafft.
Bei Arzneimitteln, Medizinprodukten und bestimmten Hilfsmitteln können gemeinsame Verhandlungen und standardisierte Beschaffung bessere Preise ermöglichen.
Gleichzeitig müssen Versorgungssicherheit und europäische Produktionskapazitäten berücksichtigt werden.
Das billigste Medikament hilft wenig, wenn es im entscheidenden Moment nicht verfügbar ist.
Deshalb betrachten wir:
Preis + Qualität + Versorgungssicherheit.
Auch hier gilt das Vollkostenprinzip.
→ Arzneimittelpreise und Beschaffung
→ Versorgungssicherheit und europäische Produktion
10. Pflege und Gesundheit langfristig finanzierbar machen
Mehr ältere Menschen und medizinischer Fortschritt werden den Finanzierungsdruck weiter erhöhen.
Deshalb wäre es unseriös zu behaupten, eine Gesundheitsreform könne sämtliche Kostensteigerungen verhindern.
Aber wir können beeinflussen, wie effizient vorhandenes Geld eingesetzt wird.
Unsere bisherigen Modellarbeiten zeigen erhebliche strukturelle Potenziale – insbesondere durch bessere Patientensteuerung, weniger Doppelstrukturen, stärkere ambulante Versorgung, Digitalisierung, Prävention und eine sinnvollere Krankenhauslandschaft.
Diese Potenziale wollen wir zuerst heben, bevor Beitragserhöhungen oder Leistungskürzungen zur Standardantwort werden.
Erst Strukturen verbessern. Dann über zusätzlichen Finanzbedarf entscheiden.
→ Finanzierung von Gesundheit und Pflege
→ Einsparpotenziale und Stresstest
Was soll ein Patient davon merken?
Ein Mensch mit einem gesundheitlichen Problem soll nicht überlegen müssen:
Hausarzt? Facharzt? Bereitschaftsdienst? Notaufnahme?
Er braucht einen erreichbaren Einstieg ins System.
Von dort wird sein weiterer Weg koordiniert.
Befunde müssen verfügbar sein.
Unnötige Doppeluntersuchungen sollen entfallen.
Komplexe Behandlungen finden dort statt, wo Erfahrung und Qualität hoch sind.
Nach dem Krankenhaus darf der Patient nicht in eine Versorgungslücke fallen.
Und wenn Pflege notwendig wird, sollen Betroffene und Angehörige früh wissen, welche Möglichkeiten bestehen.
Das Gesundheitssystem soll sich um den Patienten organisieren – nicht der Patient um das Gesundheitssystem.
Was soll eine Pflegekraft oder ein Arzt davon merken?
Weniger vermeidbare Dokumentation.
Bessere digitale Systeme.
Klare Verantwortlichkeiten.
Mehr Unterstützung durch andere qualifizierte Gesundheitsberufe.
Weniger Zeit für organisatorische Umwege.
Mehr Zeit für Menschen.
Denn Personal gewinnen wir nicht nur dadurch, dass wir mehr Menschen ausbilden.
Wir gewinnen Kapazität auch dadurch, dass vorhandene Fachkräfte weniger ihrer Arbeitszeit verschwenden müssen.
Der HUMA-Gesundheitscheck
Bei Reformen fragen wir:
Verbessert sich die Gesundheit der Menschen?
Wird der Patientenweg einfacher?
Findet Behandlung am richtigen Ort statt?
Werden unnötige Behandlungen und Doppelstrukturen vermieden?
Steigt die Versorgungsqualität?
Werden Fachkräfte sinnvoll eingesetzt?
Werden Angehörige entlastet?
Bleibt Versorgung auch im ländlichen Raum erreichbar?
Und ist das System langfristig finanzierbar?
Unser Ziel
Wir wollen weder möglichst viele Krankenhäuser noch möglichst wenige.
Weder möglichst viele Behandlungen noch möglichst wenige.
Und auch nicht einfach möglichst hohe Gesundheitsausgaben.
Wir wollen:
möglichst viel Gesundheit,
möglichst gute Versorgung,
möglichst viel Selbstständigkeit
und einen verantwortungsvollen Umgang mit den verfügbaren Ressourcen.
Der Erfolg eines Gesundheitssystems sollte nicht daran gemessen werden, wie viel Medizin es produziert – sondern daran, wie gut es Menschen gesund hält, behandelt und begleitet.
Noch tiefer einsteigen
Prävention
Gesundheit erhalten, bevor Krankheit entsteht oder chronisch wird.
Primärversorgung
Ein klarer Einstieg und koordinierte Patientenwege.
Ambulante Versorgung
Welche Leistungen außerhalb des Krankenhauses erbracht werden können.
Krankenhäuser
Grundversorgung · Spezialisierung · ländlicher Raum · Notfallversorgung.
Pflege
Zuhause · Quartier · Tagespflege · Kurzzeitpflege · stationär.
Personal
Aufgabenverteilung · Ausbildung · Arbeitsbedingungen · Digitalisierung.
Finanzierung
Beiträge · Fehlanreize · Effizienzpotenziale · demografische Entwicklung.
Internationale Beispiele
Was wir insbesondere aus den Niederlanden, Dänemark, Schweden und weiteren Systemen lernen können.
HUMA-Werkstatt
Patientenwege · Modellrechnungen · Einsparpotenziale · Praxistest · Gesamtstresstest · Quellen.
